Immer schon wollte Lo Kolumnist sein. Seit Herbst letzten Jahres schreibt er jeden Monat in der DU&ICH darüber WIE MAN ETWAS MACHT. Man wird damit nicht berühmt. Aber reich. Und man hat immer etwas zu tun. Wie man vorher nachher ist Seit Oktober vergangenen Jahres lese ich ein junges People-Magazin aus der Bauer Verlagsgruppe, das Woche für Woche Einblick in das Leben und den Lifestyle der Stars gibt. Es heißt InTouch, und zeichnet sich gegenüber anderen Printprodukten ähnlicher Machart dadurch aus, das es ungleich abgefeimtere, hämischere und hinterfotzigere Rubriken beinhaltet. In diesen Rubriken werden Stars gegeneinander ausgespielt, die das gleiche Kleid tragen, den gleichen Lebenspartner (zu unterschiedlichen Zeiten, meistens jedenfalls) haben, oder die ihr Körpergewicht (ihr Lippen-, Brust, Bizepsvolumen) erhöhen oder reduzieren konnten. Einer gewinnt, die anderen sind blamiert. Dieses Prinzip funktioniert wie ein Unfall: es ist scheußlich – aber man kann nicht wegsehen. Ich bin süchtig. Mein Freund sagt, dieses Blatt zu kaufen sei moralisch fragwürdig. Ich bin Abonnent. Ich habe die Rubrik VORHER/NACHHER schon immer geliebt. Schon als Kind habe ich die BILD DER FRAU meiner Mutter auseinandergenommen, immer auf der Suche nach fabelhaft tapferen Frauen wie Brigitte S., oder Dagmar P., die ihren Körpern 40, 50, 60 Kilos abgerungen hatten, und die sich jetzt (mit strahlenden Gesichtern und einer jeweils frischen neuen Strähnchenfrisur) in ihren alten Jeans fotografieren lassen konnten, deren Hosenbünde sie weit, weit von sich hielten. Ich wäre diesen Weg gern einmal gegangen, aber mein Körper verbrennt Nahrung jedweden Fettgehalts in Sekundenschnelle zu Wasser und Luft. Mein Freund hasst mich dafür. Seine Mutter ist bildschön, sie ernährt sich nur von Evian und Knäckbrot und hat dennoch Arschbacken, die sie mit vier anderen Frauen teilen könnte, ohne in Gefahr zu geraten, mager zu wirken. Sie hat ihre Gene freudig an ihren Sohn weitergegeben. Sein Leben ist Hunger und Ausdauersport. Das kann nicht schön sein. Und es schlägt nachhaltig auf die Laune ... Früher kannte ich Menschen, die ihren Körper besiegt hatten (mit wieviel Plaste und Silikon auch immer, hier ist das Ziel das Ziel), also nur aus der Presse. Heute sitzen sie auf meiner Couch: unsere Freunde, sagt mein Freund, ist dir das mal aufgefallen, werden immer schöner. Es fällt mir seit einiger Zeit auf. Zu Anfang jedes Sommer schält sich ein weiterer unserer blassen, dicklichen Kumpel aus seinen Winterpullis und präsentiert einen neuen Körper. Einen Körper, der nicht zu ihm gehört. Einen Körper, der surreal ist: straff, gebräunt, muskulös, und um die Taille herum ästhetisch ausgemergelt. Wir kennen mittlerweile diverse Leute, die im Herbst ein Korsett tragen müssen (eine schlimme Rückenverletzung!) und im Sommer strahlend beichten, sich ihr Bauchfett abgesaugt haben zu lassen. Letztens habe ich einen Freund besucht, dem die Flüssigkeit, die die Fettzellen aufweichen sollte, beim Hinsetzen aus acht kleinen Löchern jenseits und diesseits seines Nabels schoss. Er hatte die ambulante Klinik in Berlin-Mitte erst vor einer Stunde verlassen und war die menschliche Entsprechung einer mit Schrottkugeln durchlöcherten Gießkanne. Ein anderer unserer Freunde spricht seit kurzem mit den Lippen von Laura Brannigan. Eingedenk der Tatsache, daß ich es nicht schaffe, dick zu werden, um dann wieder dünn zu werden, sollte ich vielleicht auch etwas machen lassen. Ob Haare mal eine nette Abwechslung wären? Mein Freund sagt, ich bin undankbar und gestört. In dieser Reihenfolge. Der Umsatz der Bauer Verlagsgruppe liegt übrigens bei 1,7 Milliarden Euro pro Jahr: InTouch und ihre bösen Schwestern erreichen über 33 Millionen Leser. Wir sind also nicht allein.



Wie man sich für Nina Ruge schämt

Jahrelang habe ich geglaubt, Nina Ruge, die Leute-heute-Moderatorin, sei die Tochter von Gerd Ruge, dem berühmten Journalisten und Auslandskorrespondenten. Sie ist es nicht. Wahrscheinlich ist sie noch nicht einmal entfernt mit ihm verwandt. Gut so. Jahrelang dachte ich, es müsse Gerd Ruge, einem belesenen, weitgereisten und sehr gescheiten Menschen, doch sehr peinlich sein, dass seine Tochter als Klatschtante und intellektuell eher flachbrüstig daherkommt. Nina Ruge hatte sich schon einige Jahre durch das deutsche Frühstücksfernsehen und das heute journal gelächelt, als sie schließlich mit Leute heute den Boulevard ins Zweite Deutsche Fernsehen hob. Ich habe nichts gegen Boulevard. Wenn Britney Spears mit ihrem Baby auf dem Schoß über einen Highway brettert und dabei aussieht wie die Trailerpark-Braut, die sie eigentlich auch ist, finde ich das faszinierend. Manchmal ist das Leben so trüb und schlecht, dass ich gar nichts anderes ertrage als Boulevard. Aber Leute heute ist schlechter Boulevard. Das ist unverzeihlich. Klatsch wurde erfunden, um Langeweile erträglich zu machen. Nina Ruge stellt mit ihrer Art Klatsch Langeweile erst her. Nina Ruge moderiert so zahnlos, als bespräche sie den Anrufbeantworter einer 0190-Hotline, wenn sie lächelt, glitzert ihre obere Zahnreihe wie Münchner Flusskiesel (zahnlos und Zahnreihe widerspricht sich hier nicht), und die von ihr anmoderierten Beiträge sind meist belanglos, gespickt mit drittklassigen Hollywoodstars, die in Europa debile Animationsfilme bewerben müssen, oder deutschen TV-Kröten wie Veronika Ferres, die in Ausschnitten ihrer saublöden O2-Werbespots neben Franz Beckenbauer durch Paris trampelt. Die einzige sichtbare Leistung von Nina Ruge ist, mit 50 (am 24. August ist es soweit, Glückwunsch!) noch auszusehen wie 40. Nina Ruges Mann Wolfgang ist seit seinem Rauswurf bei BMW Manager der Linde AG, einer Firma, die irgendetwas mit Gasen und Kühltechnik zu tun hat. Die beiden sind ein klägliches Paar und gern auf deutschen Top-Events zu Gast. Das, was mich an Nina Ruge so erschüttert, ist die Angst in ihren Augen. Wenn man genau hinsieht (und das sollte man bei Leute heute, denn zu hören gibt es da nicht viel), sieht man wie Frau Ruges Augen nervös flackern, wenn sie wohldosierten Klatsch über deutsche B-Klasse-Prominenz zum Besten gibt. Der RTL-Klatschmieze Frauke Ludowig sieht man an, dass sie sich hinter den Kulissen feixend die Hände reibt und nach Drehschluss auf einem Besen nach Hause fliegt. Frau Ludowig hat ihre Freude über Harald Juhnkes Alkoholabstürze oder Otti Fischers Ehekrise kaum verhehlen können. Ihre Augen strahlten. Frau Ruge möchte tratschen UND geliebt werden. Das geht so nicht. Conan der Barbar hat seine Kundschaft ja hinterher auch nicht zum Arzt gefahren. Alles wird gut.



Wie man Orgullo feiert

»So dumm können nur wir sein.« Diesen Satz denke ich sehr oft. Auch mein Freund denkt ihn sehr oft. Aber im Unterschied zu mir denkt er ihn laut. So dumm können nur wir sein, sagt mein Freund immer, wenn wir vermeintlich gut durchdacht und bestens ausgerüstet in die nächste Katastrophe schlendern. Ein Beispiel? Ein Beispiel: Wir hatten uns in diesem Sommer den Juni frei- genommen, um mit dem Auto durch Spanien zu fahren. Von den Pyrenäen aus rechts runter, im Zick-Zack durchs Ländle, und links wieder hoch. Costa del Sol, Costa del Luz, costa es, was es wolle. Spanien eben. Im Kofferraum zwei Reisetaschen und einen 20-Volt-Reisekühlschrank, in der Hand einen Hotelführer Gesamtspanien, wir halten, wo es schön und billig ist, ein Zimmer findet sich immer. So was geht so lange gut, bis es schief geht. Erstmal ging es gut: Sonne, Strand, Stiere, Frauen in bunten Hauskleidern, Männer in engen Hosen. Krönung der Reise sollten drei letzte Tage in der Hauptstadt sein, bevor es wieder zurückginge nach Fußballweltmeisterland. Madrid! Stadt der Künste! Millionen- metropole! Residenz von Juan Carlos und Sofia! Von Prinz Felipe mal ganz zu schweigen (Letizia ist wirklich zu dünn, armes Mädchen.)! Aber kein Hotelzimmer frei. Nichts. Nicht eins. Wir haben ALLES versucht. Es gab keins. Auch kein teures. Niente. Nada. Es geht so lange gut, bis es schief geht. Und dann hat es auf einmal jeder vorher gewusst: Das, sagte mein Freund, habe ich vorher gewusst! Jetzt werden wir im Auto schlafen müssen! Wenn man sich nach 5 Stunden Fahrt und 3 Stunden Zimmersuche bei 37 Grad im Schatten (ergibt 45!) vorstellt, die nächsten 3 Tage im 90 Grad Winkel (ergibt 93!) im Auto schlafen zu müssen, kommt einem der größte Schwachsinn wie eine gute Idee vor: Wir schlafen, antwortete ich, einfach in der Sauna! Das machen doch viele! (Wer eigentlich macht sowas? Ich kenne keinen.) Mein Freund, der zu- hause ein vernünftiger Mensch ist, stimmte mir zu. Unsere Doppelkabine in der Sauna an der Plaza de las Comendadoras 9 war sehr sauber und groß genug, um sich auch mal ein Baguette mit Käse belegen zu können. Und der Spanier an sich ist beim Sex relativ ruhig. Das heißt, der Spanier schon. Aber nicht der Finne, der Serbe, der Holländer, der Italiener, der Franzose, der Däne. Nicht der Portugiese, der Amerikaner (oh yeah, make me come), der Inder, und auch der Türke nicht. Wir waren ausgerechnet am CSD-Wochenende in Madrid gelandet (was dort ORGULLO heißt), die Parade (die dort MANIFESTACION heißt) ging quer durch unsere kleine Kabine, und da der schwule Tourist an sich ein !GRACIAS NO! (was danke, aber nein danke! heißt) für eine Aufforderung zum Tanz hält (jetzt weiß ich, wie sich die Dienstmädchen um die Jahrhundertwende gefühlt haben müssen, die sich nicht einmal zum Putzen bücken konnten, ohne mit dem Hausherrn ein Kind zu zeugen), wäre die Übernachtung im Auto rückblickend doch nicht die schlechteste Wahl gewesen.
So dumm können eben nur wir. Oder?

Wie man andere Paare hassen lernt

Wenn man ein Paar ist, passiert es, dass man andere Paare zum Essen einlädt. Das bleibt nicht aus. Pärchen fühlen sich voneinander gleichermaßen abgestoßen wie angezogen. Man misst das eigene Scheitern am fremden und fühlt sich, je nachdem wie die Prüfung ausfällt, besser oder aber auch schlechter als zuvor. Es ist ein Risiko. Mein Freund und ich gehen es immer wieder ein.
Manche Paare fühlen sich bei Gelegenheiten wie dieser verpflichtet, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Wo mein Freund und ich zur Tiefstapelei neigen und rustikale Pöbeleien bevorzugen (... ach Gott, Liebe ist ein großes Wort; wir wohnen zusammen ...) halten Leute wie Bernd und Jürgen sich in ihrer Bewunderung für sich selbst nicht lange vornehm zurück. Ach, es ist so schön, sagen Bernd und Jürgen, wir beide, wir verstehen uns blind! Während mein Freund daraufhin zu bedenken gibt, ob nicht die wahre Herausforderung sei, sich blind zu sehen, muss ich daran denken, dass wir es im Laufe der Jahre geschafft haben, immer seltener zu begreifen, was den jeweils anderen umtreibt. Ein Beispiel: An einem strahlenden Frühlingstag besuchen wir nach der Eröffnung einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof das angrenzende Restaurant von Sarah Wiener. Der große Saal ist nur halb besetzt, die Bedienung zeigt sich freundlich und kompetent, das Wiener Schnitzel, für das wir uns entschieden haben, ist zart und kross, der Kartoffelsalat gut durchgezogen, an einem der Nebentische sitzt die Familienministerin Renate Schmidt und winkt freundlich zu uns herüber. Die Welt ist ein Fruchteis und wir verleben einen wunderschönen Tag in unserer Heimatstadt Berlin. Beim Verlassen des Restaurants zeigt mein Freund auf eine Tafel (unser Wiener Schnitzel ist heute Tagesgericht). Das Wiener Schnitzel kostet hier 10 Euro fünfzig.
Das ist ja gar nicht teuer für ein so gutes Schnitzel, sage ich daraufhin.
Es war allerdings ein eher kleines Schnitzel.
Bist du nicht satt geworden?
Doch, das schon. Aber gemessen am Preis, war die Portion zu klein.
Hättest du denn gern noch mehr gehabt?
Nein, erwidert er, aber für die Größe des Schnitzels ist der Preis zu hoch angesetzt.
Aber es war doch so lecker!
Aber es war nicht adäquat!
Ich kenne meine Pappenheimer. Nach ADÄQUAT macht eine Unterhaltung keinen Sinn mehr. Für meinen Freund sind sehr viele Dinge auf Gottes weiter Erde nicht adäquat. Wir werden einander nie begreifen. Ich wäre, sage ich einige Tage darauf zu meinem Freund, gern einmal so wie Bernd und Jürgen. Bernd und Jürgen, antwortet mein Freund, schlafen nur noch zweimal im Jahr miteinander.
Ich denke, man kann nicht alles haben.



Wie man sich seltsame und unnötige Sachen merkt

Die Dörfer und Städte der deutschen Provinz haben die unangenehme Eigenart, mir Antworten auf Fragen zu geben, die ich mir nie gestellt hätte: In Stuttgart- Esslingen weisen mich Schilder daraufhin, dass es von hier noch 5644 Kilometer bis Wladiwostok sind. In der Passauer Altstadt erkenne ich an der Außenwand des Hotels Wilder Mann, dass mein Freund und ich längst vor dem Hoteleingang ertrunken wären, hätten wir geduldig das Jahr 1548 und das darauf folgende Hochwasser abgewartet. Sinnlose Informationen wie diese überschwemmen uns in immer höheren Dosen. Die meisten Menschen nehmen sie erst gar nicht auf. Sie hören es. Und vergessen es. Ich vergesse so etwas nie. Die Zahl der Schwulen, die wie ich für Nachrichten wie diese (die ja eigentlich gar keine sind, sagt mein Freund) Platz in ihrem Langzeitgedächtnis schaffen, ist, und da bin ich mir sicher, hoch.
Ich hasse die Zähne von Nina Ruge, aber wenn Leute heute läuft, finde ich selten die Kraft, den Fernseher auszuschalten. Ich tue mich schwer damit, die Lebensdaten von Theodor Fontane abzurufen, aber wann Heino seine Hannelore geheiratet hat (am 26. April!) werde ich nie vergessen. Ich hasse mich dafür, all diese Nichtigkeiten in mich aufzusaugen. Ich habe das ungute Gefühl, das heterosexuelle Kollegen mich wegen dieser Vorliebe nicht so ganz für voll nehmen. Manchmal sehen sie mich an, als hätte ich dort, wo andere einen Kopf haben, nur einen Kessel Buntes. Vor einiger Zeit hatten mein Freund und ich eine Einladung zu einer Vernissage in Schwerin erhalten. Dort feierte man gerade die Großen Bienenwochen. Wir erfuhren, dass eine Bienenlarve innerhalb von sechs Tagen ihr Anfangsgewicht um das 500fache vermehrt. Ein menschliches Baby müsste demzufolge nach sechs Tagen 32 Zentner wiegen. Eine Winterbiene lebt 9 Monate. Eine Sommerbiene dagegen arbeitet sich innert sechs Wochen zu Tode. Müll. Schwachsinn. Eiter. Aber ich kann es heute noch hersagen. Ich habe heute einen sehr interessanten Artikel der Berliner Zeitung über den Schuldenerlass gegenüber den Ländern der Dritten Welt gelesen. Und unter Lokales die Nachricht, dass das Rentnerpärchen Günter K. und Dagmar Z. aus Britz sich mitsamt seiner Laube und den dazugehörigen Rehpinschern Assi und Zwerg in die Luft gesprengt hat. Pinscher Elke und Spitz Blacky sowie die 15 Hühner, Enten und Gänse des Paares haben das Unglück unbeschadet überstanden. Günter K. arbeitete früher als Milchmann, Taxifahrer und verdiente sich manchmal als Catcher ein paar Märker dazu. Ich kann heute schon sagen, was mein Gehirn als bewahrenswert abspeichern wird. Ich werde mich vor meinen Hetero-Kollegen schämen müssen.

Für ein Pfund Honig muss eine Biene übrigens 3,5 mal um die Erde fliegen. Und ein Kilogramm Honig stellt die Lebensarbeitszeit von 350 bis 400 Bienen dar. Mein Freund hat in Schwerin ein Glas Honig gekauft. Wir haben es bis heute nicht
über uns gebracht es zu öffnen.



Wie man sehr vornehm ist

Als ich noch ein Kind war, war ich davon überzeugt, dass Schwule sehr fein sind. In den Filmen, die ich sah und in den Büchern, die ich las, tranken die Homosexuellen ihren Tee mit abgespreizten Fingern, trugen schockierend modische Kleidung, wohnten in abgründig puffigen Dekors. Wir reden von den Siebzigern. In meinem ersten schwulen Film La Cage aux Folles demonstriert Casino-Besitzer Georges wie ein Schwuler geht, indem er auf einer imaginierten Linie entlangschreitet, während sein Freund Albin ihm dabei wohlwollend über die Schulter schaut. Wie unser Freund Oliver immer sagt: Eine Krankenschwester rennt nicht - eine Krankenschwester eilt! Ich nahm damals an, das würde für kranke Schwestern auch gelten und sah ein parfümiertes Leben vor mir, das weder rohe Reden noch
Verdauungsprobleme kennt.
Ohne es zu wollen, unterstützten meine Eltern mich in diesem Denken. Und brachten doch gleichzeitig erste leise Zweifel bei.
Meine Mutter ist überaus vornehm. Sie hatte ihr Leben lang mit einem durch einen Volksschulabschluss bedingten Minderwertigkeitskomplex zu kämpfen. Wenn meine Mutter bei Elternabenden auf Akademiker traf, nickte sie stets anerkennend und sagte zu meinem Vater: die sind ja fünf Klassen besser als wir! Mein Vater seufzte ergeben. Er ist Gewerkschaftler und Sozialdemokrat der ersten Stunde. Aber gegen diesen selbsterklärten Mangel an Klasse kam er nicht an. Aber meine Mutter machte ihren niederen Stand wett. Durch Vornehmheit. Wir waren vornehm. Wir benutzten bei jedem Mittagessen drei verschiedene Bestecke. Unser übelstes Schimpfwort war Herrjehmineh! Und noch heute würde es mir nicht im Traum einfallen, bei einem Essen mit dem Rücken die Lehne des Stuhls zu berühren auf dem ich sitze. Wir waren ruhige Kinder. Wir waren behutsam. Wir gaben Obacht. Wir waren fein.

Aber (und jetzt komme ich zu den Zweifeln) ihr Leben lang haben meine Eltern stets Arschloch gesagt, wenn sie Anus meinten, und scheißen, wenn sie den Gang auf die Toiletten beschreiben wollten. Mein Vater sagt bei Darmbeschwerden nie: ich verspüre ein schmerzhaftes Brennen am After. Er sagt: Du meine Güte, mein Arschloch brennt wie Feuer! Meine Mutter dankt einer Freundin am Telefon für deren Tip, Verdauungsprobleme mit Knoblauchpastillen zu kurieren, auf folgende Weise: Und, denk nur, Irmgard, ich konnte heute endlich wieder so richtig schön scheißen! Dann bittet sie meinen Bruder, sich doch bitte gerade zu halten, ansonsten könne sie ihm gern einen Kleiderbügel ins Hemd stecken. Und weil es schlussendlich doch so etwas zu geben scheint wie eine großangelegte Weltgerechtigkeit, habe ich bekommen, was meine Mutter so gefürchtet hat: einen Freund, der Sprüche wie Steck-den-Popel-in-den-Mund-denn-Popelessen-ist-gesund liebt, Fußgängern Rotgänger-Totgänger hinterher schreit, seine Mahlzeiten angeblich „asiatisch“ zubereitet (damit er sie mit den Fingern essen kann) und der meinem Vater schon einmal erzählt hat, dass Po-Liebe gut sei zur Vorbeugung von Prostatakrebs. Quentin Crisp würde sich im Grabe umdrehen. Vielen Dank.



Wie man Feiertage miteinander verbringt

Ich lese Zeitung. Jeden Morgen. Mein Freund behauptet das ebenfalls von sich. Aber ich glaube, in Wahrheit versucht er nur jeden Morgen die fettgedruckten Bildunterschriften mit den grobgepixelten Abbildungen in einen Zusammenhang zu bringen. Ich dagegen lese Zeitung. Ich lese sie. Ganz. Jeden Artikel. Von vorn bis nach hinten. Ich bin Künstler. Ich habe viel Zeit. Eine ganze Tageszeitung besteht aus einer erklecklichen Menge Sätze (puh!). Oft finde ich in meiner Zeitung Sätze, die ich nicht verstehe. Der Satz „Auch die Ökonomie lebt von Werten, die sie selbst nicht schaffen kann.“ ist einer davon. Er ist mir gleich aufgefallen. Ich habe ihn nicht begriffen. Mein Freund, der behauptet, seine Bildung aus seiner Herkunft als Grundschullehrerinnensohn zu beziehen, und eben NICHT aus Zeitungslektüre, sagt, das bedeute, eine Wirtschaft müsse schon im eigenen Interesse Wert legen auf das Glück der Gesellschaft, in der sie existiert, denn nur der glückliche, wohlhabende Mensch konsumiere und erhalte so die ihn umgebende Wirtschaft am Leben. Ich habe immer auch und gerade dann konsumiert, wenn ich unglücklich und arm war (ich kann gar nicht anders: wenn ich traurig bin, MUSS ich kaufen!). Aber das denke ich nur und ich sage es nicht. Liebe heißt angeblich, auch einmal einen Widerspruch zu schlucken. Also. Gesagt hat den Satz übrigens der Bundesverfassungsrichter Ernst Wolfgang Böckenförde. Böckenförde, sagt mein Freund noch bevor er die Küche verlässt, plädiere damit für die Beibehaltung der Deutschen Feiertage. Die Feiertage! An die hatte ich bis dahin nicht gedacht! Und ihre Beibehaltung! Das gefiel mir gar nicht. Vor unseren Küchenfenstern schlug gerade ein sonniger Frühlingsmorgen mit seinen Flügeln. Aber nur zu bald würde es wieder Weihnachten. Heimfahrzeiten. Bratenessstunden. Streuselkuchentage. Nach Hause zu Mutti und Vati in deren Lebkuchenwelt. Ich mag das gar nicht. Ich besuche meine Eltern gern zu neutralen Jahreszeiten und unter der Woche. Ich gebe ihnen gern so wenig Anlass wie möglich, in alten Fotoalben zu kramen, ihr gegenwärtiges mit dem vergangenen Glück zu vergleichen (eine abfallende Kurve) und in Tränen auszubrechen ob der Undankbarkeit ihrer Brut. An den Weihnachtsfeiertagen lässt sich all das schwer vermeiden. Es sind sentimentale Tage. Schlimme und düstere Zeiten. Aus ähnlichen Gründen feiere ich auch nicht gern Geburtstag. Schon als Kind habe ich es als Last und Zumutung empfunden, für das Glück und das Vergnügen von Dutzenden meiner Freunde verantwortlich zu sein. Und sei es nur für ein paar Stunden am Nachmittag oder am Abend. An meinen letzten zehn Geburtstagen habe ich es einrichten können, dass ich beruflich in Gummersbach, Brackenheim, Esslingen oder Gießen zu tun hatte. Und das waren schöne Geburtstage! Die Glückwünsche kamen per SMS. Die Geschenke mit UPS. Schön! Schön! Ich würde daher auch zu Sylvester gern durcharbeiten. Und Neujahr. Heilige Drei Könige. An den Oster- und Pfingstfeiertagen. Zu Allerheiligen und Mariae Himmelfahrt. Und an den Weihnachtstagen. Ernst Wolfgang Böckenförde sagt weiter, würde sich jeder bereit erklären, nur zwei Stunden länger zu arbeiten, entstünde damit eine Arbeitszeit von 11 Feiertagen! 11 Lachsschnittchen- und Weichspülertage mehr! Biberbettwäschenächte. Rollkragennachmittage. Du lieber Himmel. Der Herr Böckenförde!
Man wird ihn töten müssen.



Wie man Raucher wird

Ja. Mich stört es auch. Meine Klamotten stinken danach, meine Wohnung und mein Auto. Hätte ich Haare, würden die es auch tun. Stinken. Mein Freund raucht. An normalen Tagen eine Schachtel. An Tagen, an denen er unter Stress zu sein glaubt, an den Schlechtwettertagen, den traurigen Tagen, den Tagen, an denen seine Eltern uns besuchen, an Tagen, an denen meine Eltern uns besuchen, an Tagen, an denen wir ausgehen, an Tagen, an denen er sich zu dick, zu alt, zu sonstwas fühlt (und das ist die schöne Mehrheit aller Tage), raucht er, soviel er kriegen kann. Da der Qualm einer Zigarette keine Unterschiede macht, sind wir ein Raucherpärchen. Das nervt. Aber ich sage nix. Mein Freund ist ein rücksichtsvoller Raucher. Vor zwölf steckt er sich selten eine an, und zuhause geht er zum Rauchen auf den Balkon. So es irgend geht bläst er den Rauch rechts oder links an mir vorbei (er kann sogar nach unten und oben rauchen!), er putzt sich die Zähne, wenn er weiß, er wird mich gleich küssen. Ich sage also nix. Denn wie lästig ich Raucher finde (und ich finde sie lästig, lästig, lästig), so groß ist mein Horror vor den bekehrten Rauchern. Vor den Nichtrauchern. Vor diesen militanten, intoleranten, moralinsauren, pseudomoralischen Wesen, die nicht rauchen, nicht trinken, kein Fleisch essen und zum Buddhismus übergetreten sind, und die es geschafft haben, dass man in Kalifornien nicht einmal mehr auf der Straße rauchen darf. Das ist nicht sozial. Das ist faschistoid. Leute wie diese sind nicht nur peinlich. Sie sind auch langweilig. Nicht umsonst stehen die netten Leute auf Parties in der überfüllten, zugemüllten Küche und rauchen sich das Hirn weg. Es stinkt. Aber es macht Spaß. Und es ist ja nicht für immer: am nächsten Morgen kann man lüften! Das Rauchen den Rauchern zu verbieten, überall, zu jeder Zeit, ist für diese Leute ein schöner Sport geworden. Ein moralisches Hobby. Früher hatten sie die Wale, die Robben, die Tierversuche. Dagegen kann man nichts haben. In China, in der nördlichen Provinz Shaanxi, im Safaripark Qinling, lebt die Schimpansin Ai Ai. Sie ist 27 Jahre alt und hat es vor kurzem geschafft, nach 16 Jahren Kettenrauchen die Kippen beiseite zu legen und sich stattdessen auf gebratenen Teigtaschen und Popmusik zu beschränken. Ai Ai hat den Tod zweier Partner und den Verlust ihrer Tochter ertragen müssen. Sie lebt in einem Käfig. Die Zoobesucher bespucken sie und bewerfen sie mit Gegenständen. Sie revanchiert sich mit dem Schmeißen von Kot (ihrem eigenen) und dem Rauchen von Zigaretten der Marken Ximei (glückliche Pflaume) und Da Zhonghua (großartiges China). Die Tierschützer der westlichen Welt fragten sich daraufhin, wie man einem Affen das Rauchen erlauben könne. Ich frage mich, wie man einem Affen unter diesen Umständen das Rauchen verbieten wollte. Die Welt ist schlimm, und manchmal hilft eine Zigarette. Wäre ich an Ai Ais Stelle, ich hätte nie damit aufgehört.



Wie man in die Liebe fällt

Der Amerikaner an sich ist bekloppt. Nicht jeder einzelne. Aber in der Masse ist er es. Daran kann man nicht zweifeln. Er wählt die dümmsten Politiker der Welt. Er hasst die Vorstellung, renten- und krankenversichert zu sein. Er lebt bevorzugt in tornadogefährdeten Gebieten, in Bungalows aus Leichtholzbauweise, die schon der kleinste Tornado zu Mikado zertrümmert. Sobald sein Bungalow in Fetzen liegt, baut er ihn wieder auf. Er würde nie ein Haus aus Stein bauen. Die Amerikaner in ihren Suburbs sind damit die ersten beiden von den drei kleinen Schweinchen. It’s as simple as that, würde Bette Midler sagen.

Wenn Amerikaner sich voneinander verabschieden, sagen sie oft: I love you! Oder nur: love ya! Ein „Ich liebe Dich“ verhunzen sie damit zu „Tschüss“. Das kann man schlimm finden. Trotzdem habe ich den durchschnittlichen Amerikaner immer darum beneidet, an einem Tag dutzende Male gesagt zu bekommen, dass er geliebt wird. Von seinem Dad, von seiner Mum, von seinem Bruder, seiner Schwester, seinen Kumpels (ja, auch die Jungs dürfen es sich mal sagen, ohne gleich schwul zu sein - der Amerikaner ist arg sentimental). Der Deutsche (besser versichert als der Amerikaner, aber insgesamt gesehen ähnlich blöd bei der Zusammenstellung seiner Regierung und mit den schlechteren Zähnen) hört und sagt es leider nicht so oft. Hätte ich mich morgens von ihm mit einem herzigen „Ich liebe dich“ verabschiedet, hätte mein Vater mein Zimmer nach Drogen durchwühlt. Mein Bruder hätte mir eine geklebt. Meine Mutter hätte noch ein paar Jahre früher gewusst, was sie von mir so erst mit 16 erfahren musste ...

Als Kind saß ich einmal in den Sommerferien in der Schweiz in einem Cary- Grant-Film (wie immer lief dort das englische Original mit deutschen Untertiteln, man musste schnell lesen, damals in der Schweiz), in dem Herr Grant zu einer Frau sagt: You know, it’s funny, but I have really fallen in love with you. Die Synchronfirma hatte daraus im Deutschen „Wissen Sie, ich bin mit Ihnen in die Liebe gefallen“ gemacht. Ich finde das noch heute wunderschön. Ich sehe zwei Menschen vor mir, die sich an den Händen halten und sich mit einem glücklichen Lachen in ein riesiges Meer aus rosaroter Zuckerwatte plumpsen lassen. Die Liebe! Und wir sind hineingefallen! Hoppla! Als ich meinen Freund kennenlernte, habe ich ihn geküsst und gesagt: Ich möchte mit dir in die Liebe fallen. Das, hat er geantwortet (schon damals hübsch aber besserwisserisch), kann man so nicht sagen. Aber, erwiderte ich darauf, man kann es fühlen!
Manchmal hat uns der Ami ein paar Dinge voraus. Immer schon.

In irgendeinem Film sagt Cary Grant zu Deborah Kerr Immer noch. Seufz.



Wie man jemanden tröstet

Mein Freund ist in einer Familie aufgewachsen, die, wenn etwas wirklich Schlimmes geschehen ist, so tut, als sei gar nichts geschehen. Eines Tages implodierte eine Stehleuchte, und mit ihr und dem Wohnzimmer verbrannten alle Fotos und Kinderbilder, alle Erinnerungsstücke und Dokumente seiner Familie. Am nächsten Morgen saßen mein Freund, seine Geschwister und seine Eltern am Frühstückstisch und berieten, welche Farbe die neue Couchgarnitur haben sollte. Sie entschieden sich für beige. Ich rief an, um ihnen zu sagen, wie sehr mich ihr Verlust schmerzte. Der Vater meines Freundes sagte am Telefon: das wird schon wieder. Ich dachte, wirklich?
Eines Tages starb mein Hund Muska. Sie war ein bildschöner, leicht hysterischer Terrier-Dackel-Mischling, und intelligenter als die meisten meiner Mitschüler. Muska hatte mir und meiner Familie nichts als Freude bereitet. Sie liebte uns alle mit grimmiger Entschlossenheit. Wenn wir im Sommer zum Badesee fuhren und hinausschwammen, schwamm Muska uns immer hinterher, soweit ihre kurzen Beine sie trugen. Hätten unsere Freunde und Nachbarn sie nicht immer wieder aus dem See gerettet, Muska wäre mehr als einmal ertrunken. Mein Bruder schimpfte dann mit Muska; aber er streichelte sie dabei und flüsterte ihr Koseworte ins Ohr. Muska wäre lieber untergegangen als ohne uns am Strand zurückzubleiben.
Als sie starb, war sie fast blind und litt unter einer Schüttellähmung an den Hinterläufen, die wir mit rosa Zäpfchen bekämpften. Ich wusste, sie würde nicht ewig leben, aber als ich Muska eines Morgens tot in ihrem Körbchen fand, brach es mir das Herz. Ich war untröstlich. Als mein Freund mich und Muska fand, setzte er sich neben uns und sagte, das wird schon wieder. Ich wusste nicht, was er damit meinte. Das Wetter konnte schon wieder werden. Auch eine Halsentzündung, meinetwegen. Aber der Tod? Glaubte er, die Zäpfchen, die wir Muska regelmäßig gegeben hatten, würden sie im Bedarfsfall auch wieder ins Leben zurückholen? Dachte er, der Sensenmann würde sich um Kleinlebewesen unter 3500 Gramm nicht mit derselben Leidenschaft kümmern wie um Harald Juhnke und Brigitte Mira? Er war irre geworden. Das musste es sein! Fiebrig vor Gram über Muskas Tod! Ich fühlte seine Stirn. Und mein Freund nahm meine Hand und sagte, das wird schon wieder.
Wir suchten einen Schuhkarton, legten ihn mit Geschenkpapier und Crash-Samt aus und hoben Muska hinein. Wir begruben sie im Garten meiner Eltern. Mein Bruder schluckte angestrengt; meine Eltern konnten nicht aufhören zu weinen. Mein Freund nickte ihnen traurig zu und sagte, das wird schon wieder. Meine Mutter sah aus, als würde ihr gleich übel werden.
Monatelang ließ ich vollbeladene Einkaufswagen stehen und ging einfach weg, wenn an einer Supermarktkasse ein Kalender mit Hundebabies hing. Die Bilder verschwammen mir vor den Augen, wenn im Fernsehen Hundefutterwerbung lief, in der ein Junge mit seinem Hund spielte. Mein Freund schaltete weiter und sagte, das wird schon wieder. Er war ganz offensichtlich schwer gestört. Eines Tages kam ich nach Hause und fand meinen Freund, wie er in unserer Diele einen Nagel in die Wand schlug, um ein Foto aufzuhängen: Muska lag, erschöpft und nass, aber strahlend, in den Armen unseres Nachbarn, der sie wieder einmal aus dem See gezogen hatte. Mein Freund drehte verlegen den Hammer in seinen Händen. Und, irgendwie, wurde es dann wieder.



Wie man ein schlechter Nachbar wird

Solange mein Freund und ich wohnen, wohnen wir oben. Wir haben in Hamburg im dritten Stock gewohnt, in Madrid im fünften, und in Köln einmal im dritten und dreimal im vierten. Bei durchschnittlich 9 Stufen pro Stiege und fünfmaligem täglichen Verlassen und Wiederbetreten der Wohnung kommen wir für jedes Jahr auf circa 600 Stufen, die wir täglich genommen haben. Das ist Geschichte. Unsere neue Wohnung liegt im ersten Stock, und dafür sind wir dankbar. Dem Umstand, dass Bungalows in Berlin-Mitte nicht leicht zu bekommen sind, haben wir es jedoch zu verdanken, dass über uns Menschen wohnen. Leute. Wir nennen sie DIE FÜRCHTERLICHEN LEUTE VON OBEN. Die fürchterlichen Leute von oben sind laut. Sie trampeln. Sie schlagen die Türen. Sie unterhalten sich lautstark im Treppenhaus. Schon dafür müsste man sie entmieten und ihre Sachen in Container lagern. Das Schlimmste jedoch ist ihr Umgang mit Schuhen. Sie ziehen ihre Schuhe in der Wohnung nicht aus, und sie haben oft Besuch, der das auch nicht tut. Wir wohnen in Ostberlin. Hier kommen Nachbarn in Schlappen zu Besuch. Hausschuhe sind auf diesem Planeten etwas Gutes. Die Frau von den fürchterlichen Leuten von oben besitzt Clogs. Clogs! Niemand trägt mehr Clogs! Außerdem zieht sie ihre hochhackigen Pumps bereits eine ganze Stunde bevor sie morgens das Haus verlässt an. Das ist so, als würde ein Jäger, der im Brandenburger Forst jagen will, schon in der U2 anfangen, mit Schrot zu schießen. Es macht keinen Sinn. Und es ist für viele Menschen zu laut und zu unbequem. Bei den fürchterlichen Leuten von oben handelt es sich um ein Ehepaar mit Kind. Das Kind ist klein. Es ist ein Kleinkind. Ich kenne mich mit Kleinkindern nicht aus. Aber man sollte doch annehmen, dass kleine Kinder kleine Geräusche machen. Das ist nicht der Fall. Das Kind der fürchterlichen Leute von oben hat mich vor einigen Wochen zu einem Märchen inspiriert, das DER FÜRCHTERLICHE KLEINE TREPPENHERUNTERGEHER heißt, und das eines unserer Patenkinder zum Weinen gebracht hat. Als ich vor ein paar Tagen die Berliner Zeitung aufschlug, entdeckte ich im Feuilleton ein Interview, das jemand mit der Frau von den fürchterlichen Leuten von oben geführt hatte. Ich glaubte, sie hätten sie als Expertin zum Thema Lärmbelästigung in Ballungsgebieten befragt. Aber das war es nicht: unsere Nachbarin ist zur neuen Chefchoreographin der Volksbühne berufen worden. Sie ist die Vorgesetzte einer Gruppe von Menschen, die nichts anderes tun, als in großen Sprüngen über Parkettböden wie den unseren zu hetzen und sich dabei gegenseitig möglichst hoch und weit zu werfen. Das erklärt einiges. Sie hatten einer Irren die Leitung der Landeskliniken übertragen, sie ließen die Pyromanin die Lagerhallen mit den Chinaböllern bewachen, sie hatten die Ziege zur Gärtnerin gemacht. Ich war verzweifelt. Mein Freund hatte mir bereits verboten, bei den fürchterlichen Leuten von oben zu klingeln um mich zu beschweren. Er wolle nicht den Satz DA SIND JA DIE SPIESSER AUS DEM ERSTEN STOCK in den Augen der Nachbarn lesen. Er müsse dort immer schon DA IST JA DAS SCHWULE PÄRCHEN VON UNTEN sehen. Das reiche ihm.
Ich war ratlos, aber nicht untätig. Ich habe schon am nächsten Tag eine Herde winzig kleiner Filzschläppchen gekauft und sie vor der Tür der fürchterlichen Leute von oben im Kreis laufen lassen. Jedes der Schläppchen trug ein Schild. Auf einem stand I LOVE FILZ, auf einem anderen DER STILLE MENSCH TRÄGT FILZ, auf dem nächsten stand ZIEH MICH AN WENN DU NACHHAUSE KOMMST, DEIN FILZ!
Seitdem haben wir sie nie wieder gehört. Vielleicht tragen sie die Schläppchen nun. Vielleicht gehen sie in ihrer Wohnung nicht mehr zu Fuß. Vielleicht sind sie ausgezogen. Ich bin glücklich. Mein Freund hasst mich. Und für all diejenigen in vergleichbarer Notlage gebe ich diese Idee hiermit frei.



Wie man jemanden sterben sieht

Es gibt eine Folge der Golden Girls, in der ein Liebhaber von Rose in deren Bett einen Herzinfarkt erleidet und stirbt. Sofia findet ihn dort, aber weder Rose, noch Dorothy oder Blanche glauben ihr. Als Sofia sie drängt, doch nachzusehen, weigert sich Blanche. Sie habe noch nie einen toten Menschen gesehen und werde jetzt nicht damit anfangen. Rue MacLanahan, die Darstellerin der Blanche, ist zum Zeitpunkt der Dreharbeiten geschätzte 63. Ich sah mein erstes totes Tier mit 4. Meinen ersten toten Menschen mit 6. Unsere Nachbarin Claudia Dingel hatte den alten Herrn Marischowski übersehen, als sie ihren Wagen rückwärts aus ihrer Garage setzte. Meinen Zivildienst leistete ich in der Diakonischen Altenpflege. Mein Studium finanzierte ich unter anderem als Leichenwäscher im Katholischen Altenstift Herz Jesu. Der Tod ist nicht mein Freund, aber mit Leichen bin ich gut bekannt. Eines Tages rief mich mein Bruder an. Meine Großmutter hatte in die Schalterhalle der Raiffeisenbank gepinkelt. Sie war in der Warteschlange vor der Kasse in die Hocke gegangen, hatte ihren Rock hochgezogen und ein Bächlein gemacht. Mein Bruder sagte wirklich, sie hat ein Bächlein gemacht. Ich war fassungslos. Meine Großmutter hatte mir Lesen beigebracht, und mir meine erste Strickliesl geschenkt. Ich hatte jede freie Minute meiner Kindheit auf ihrem Sofa verbracht. Sie war mir mehr Vater und Mutter gewesen, als meine Mutter und mein Vater es je gekonnt hatten. Ich liebte meine Großmutter.
Sie ist dement, sagte mein Bruder am Telefon.
Was heißt das, fragte ich ihn, obwohl ich es doch wußte.
Sie wird sterben, sagte er, scheibchenweise.
Ich fand diesen Ausdruck scheußlich. Ich fand meinen Bruder scheußlich. Wie konnte er so etwas sagen? Scheibchenweise. Als würde das Schicksal aus meiner Oma eine Salami machen, um anschließend mit ihr ein Brot zu belegen. Ich ahnte, dass mein Bruder den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
Ich hatte gerade einen Arbeitskollegen sterben sehen, damals, als man DARAN noch starb, wenn man schon zu lange infiziert war, um die neue Medikamentengeneration noch zu erleben. Mein Kollege starb scheibchenweise, er ließ sich in die Klinik einweisen und kam wieder zurück, wurde immer wächserner und durchscheinender. Er ging durch eine Welt, die schon nicht mehr die seine war, wie ein Aquarell, in zartesten Farben. Er war so, wie man es in den schlechten Romanen lesen kann. Er war heiter. Und er überließ es uns, stellvertretend für ihn, wütend zu sein auf ein beschissenes Virus. Dieser Kollege war ein junger Mann, so jung wie wir alle damals, wir alle hatten noch nichts erlebt, noch nichts geleistet, kaum einer von uns hatte schon richtig geliebt. Meine Großmutter dagegen war 1902 geboren worden, hatte zwei Kriege überlebt, zwei Kinder geboren, eins begraben, hatte studiert und mindestens drei Leben geführt, die sie nun Stück für Stück wieder vergessen würde. Ich hatte erwartet, dem Sterben meiner Großmutter gelassener beisitzen zu können. Aber ich wurde getäuscht. Es war verzweifelt und quälend und von Grauen erfüllt. Ich werde, sagte ich zu meinem Freund, jedem raten das Land zu verlassen, sollte er vor der Wahl stehen, eine lange Reise zu machen oder einem Freund oder Geliebten beim Sterben zuzusehen.
Das wirst du nicht tun, sagte er.
Ich weiß, antwortete ich.



Wie man neue Menschen kennen lernt

Einer meiner Lieblingsfilme ist SCHLAFLOS IN SEATTLE. Es gibt darin ein beispiellos ulkige Sequenz, in der Meg Ryan und Bill Pullman, kurz bevor sie das Licht löschen und zu Bett gehen, in einem perfekt choreografierten Ballett Tempotaschentücher und Luftbefeuchterflüssigkeit austauschen. Wie bei so vielen Dingen ist diese Szene so komisch, weil sie so fürchterlich ist. Man sieht das blinde Einverständnis, in dem Pullman und Ryan sich ihre Utensilien anreichen, und man hat gleichzeitig all die Jahre vor Augen, in denen das schon so zwischen ihnen abgelaufen ist, und all die Jahre, in denen es noch genau so zwischen ihnen ablaufen wird. Man sieht all die Zahnrädchen, die störungsfrei ineinandergreifen müssen, wenn eine Beziehung funktionieren soll, und man kann ihr Rattern und Brummen beruhigend finden – oder monoton. Das Leben ist eine lange ruhige Wurst, und die sieht von hinten genau so aus wie vorn. Mein Freund und ich leben bald seit 15 Jahren zusammen. Wir haben den Zustand der funktionierenden Wurst schon vor einigen Jahren erreicht. Seitdem beäugen wir uns ängstlich und sind uns nie wirklich im Klaren darüber, ob es ein Segen ist, oder ein Fluch, den anderen so genau zu kennen. Einer der besonders verstörenden Aspekte einer Langzeitbeziehung (und jeder anderen Beziehung wahrscheinlich auch) kann der sein, dass man sich selbst genug ist. Man hat (wenn es gut läuft!) genug aneinander, findet Klugheit, Zärtlichkeit, Abenteuer, Mut und Leidenschaft in eben dem Menschen, mit dem man sich die Wohnung, das Bett und manchmal auch die Unterwäsche (nie die Zahnbürste! pfui!) teilt. Man vergisst, wie wichtig es ist, Freunde zu haben. Oder zu finden. Oder man sucht gar keine mehr. Bei der Auswahl neuer Freunde geht mein Freund sowieso sehr, sehr behutsam vor. Um das Mindeste zu sagen. Lange Zeit spricht er von Menschen, die er wirklich mag, nicht als Freunde, sondern als Bekannte. Er zwingt sie, ungezählte Nächte mit ihm in verrauchten Kneipen, überfüllten Bars oder auf kreischlauten Tanzvergnügen zu verbringen. In diesen Warteschleifen verbringen manche von ihnen Jahre, bevor er sie einmal zu uns nach Hause einlädt. Mein Freund sagt, er geht gern mit Leuten aus und zeigt ihnen die Stadt. Ich denke, er testet sie. Nicht alle seiner Freunde wissen wo wir wohnen. Oder kennen unsere wirklichen Namen. Ha ha, sagt mein Freund.
Du musst, sage ich ihm, weniger misstrauisch sein, wenn du Menschen kennenlernen möchtest.
Ich bin nicht misstrauisch, antwortet er. Ich bin vorsichtig. Ich denke, er ist paranoid. Er möchte an seine Freunde dieselben Maßstäbe anlegen, wie an seinen Partner. Ich dagegen bin sehr zutraulich. Wenn ich Menschen näher kennenlernen möchte, lade ich sie zum Essen ein. Ich dekoriere den Tisch, koche etwas Leckeres, und mein Freund hasst mich dafür.
Warum können wir sie nicht im Park treffen, fragt er mich.
Weil es schneit.
Und?
Weil mein Herd hier steht. Und nicht im Tiergarten.
Wie sollen wir sie von hier wieder wegbekommen, wenn es fürchterlich wird? Es wird nicht fürchterlich, tröste ich ihn. Oft genug wird es das leider doch. An solchen Abenden steht mein Freund irgendwann vom Tisch auf. Er legt seine Serviette beiseite und sagt, er müsse jetzt leider gehen. Er sagt, er müsse sich das andere Ende der Wurst noch einmal ganz genau anschauen, und lässt unsere Gäste ratlos zurück. Das ist sein ganz eigener Humor, sage ich dann verlegen.

Ja, sagt mein Freund. Er macht sehr einsam.



Wie man ein gemeinsames Konto führt

Ich habe meinen Freund mit 19 kennengelernt. Hätte er mich damals sofort geschwängert, ginge unser Kind mittlerweile in die 9. Klasse. Solange ich mit meinem Freund zusammenlebe, wünscht sich meine Mutter für mich ein eigenes Konto. Eines, auf das mein Freund keinen Zugriff hätte. Zugriff. Das ist das, was sie sagt: Zugriff. Als plane Goldfinger den Raub meines Girokontos. Solange ich denken kann, führen mein Freund und ich ein gemeinsames Konto. Es ist praktisch und es ist günstig und keiner von uns beiden hat diese Regelung jemals in Frage gestellt. Während all dieser Jahre hat meine Mutter mir noch keine fünf Euro gegeben ohne den Hinweis, es nicht gleich für IHN auszugeben. Mein Freund raucht Kette, er trinkt gern teure Weine, er fährt leidenschaftlich gern Taxi, weil ihm für öffentliche Verkehrsmittel, wie er sagt, die Kraft fehlt, er ist ein Feinschmecker, er liebt neue Schuhe, und er kauft regelmäßig die neueste Ausgabe der MännerVogue. Nichts von alldem tue ich, bin ich, mag ich. Es ist jedoch nicht nur dieses Ungleichgewicht in unseren Ausgaben, das meine Mutter argwöhnen lässt, ihr Sohn würde ausgenutzt. Du lässt Dich ausnutzen, sagt meine Mutter.
Es ist gemeinsames Geld.
Es ist dein Geld. Und du, sagt sie, lässt dich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans.
Meine Mutter sagt das so, dass es gleichermaßen für mich gilt, wie für meinen Vater und meinen Bruder. Meine Mutter sieht in jedem Fremden einen potenziellen Feind und Ausnutzer ihrer Familie. Für meine Mutter sind viele Leute Fremde.

Ich weiß nicht, woher das Mißtrauen meiner Mutter rührt. Mein Vater hat immer hart gearbeitet, aber nie über eigenes Geld verfügt. Wollte er sich ein Bier kaufen oder ein neue James-Last-Platte, fragte er meine Mutter, ob das in Ordnung gehe. Er hat sich nie über diese Regelung beklagt und er hat sie nie getäuscht.

Wenn wir Geld über haben, bucht mein Freund Reisen für uns. Er tut es, ohne mir etwas davon zu sagen, und es ist immer wunderschön. Manchmal sind wir monatelang unterwegs, und wenn wir nach Hause kommen, sind wir so pleite, dass wir wochenlang nur Toastbrot essen. Eine unserer Reisen führte uns nach Gomera, auf die Kanarische Insel, auf der bevorzugt lesbische Pärchen und pensionierte Lehrer wandern gehen. Wir fuhren mit unserem Mietwagen über eine der gut ausgebauten Serpentinenstraßen in Richtung Valle Gran Rey. Ich weiß nicht mehr, worüber wir stritten, aber wir gerieten so sehr in Wut, dass wir kurz hinter der wunderschönen Ermite de los Reyes anfingen uns im Auto zu prügeln. Ich hielt mit einer Hand das Steuer umklammert, mein Freund versuchte, die Straßenkarte festzuhalten. Mit den freibleibenden Händen schlugen wir aufein- ander ein. Es war ein fairer Kampf. Erst als uns ein Bus mit gomerischen Grundschülern überholte, die uns begeistert zuwinkten und applaudierten, fingen wir an zu kichern. Ich hielt am nächstgelegenen Panoramapunkt. Mein Freund blutete aus der Nase. Ich hatte ein angerissenes Ohrläppchen. Wir hatten einen wunderschönen Blick über die Playa de Calera. Als wir in der nächstgelegenen Apotheke Pflaster und Desinfektionsspray kaufen wollten, bemerkte ich, dass ich meine MasterCard im Ferienhaus liegengelassen hatte. Mein Freund zahlte mit seiner. Ich denke, wir werden das gemeinsame Konto behalten.



Wie man nie wieder zurück geht

Meine Mutter hatte schon immer ein feines Gespür dafür, wenn ich Streit mit meinem Freund hatte. Oder Geldsorgen. Oder mal wieder auf der Suche nach einem neuen Job war. Ihr Rat ist immer der Gleiche.
Zieh doch wieder bei uns ein!
Sie sagt es immer so, als sei ihr diese Idee gerade erst gekommen. Sie klingt von sich selbst überrascht.
Ich habe ein Leben, Mama. Ich kann hier nicht einfach weg.
Du könntest die Einliegerwohnung im ersten Stock haben.
Die Wohnungen in Berlin sind billig, Mama.
Aber bei uns würdest du gar nichts zahlen!
Ich denke doch. Ich würde mit meiner Würde zahlen. Aber das sage ich nicht. Ich weiß, meine Eltern meinen es gut mit mir. Meine Eltern haben sich ihr erstes eigenes Telefon anschließen lassen, als sie beide über vierzig waren. 1992 haben mein Freund und ich die beiden in den Kinofilm Der mit dem Wolf tanzt eingeladen. Als meine Eltern ermattet das Kino verließen (der Film hatte Überlänge), sagte mein Vater, dies sei seit 23 Jahren ihr erster Kinobesuch gewesen. Seit 23 Jahren.
Was hat euch all die Jahre abgehalten, fragte mein Freund.
Es ging alles ins Haus, sagte mein Vater. Er lächelte dabei. Mein Freund sieht meine Eltern seither mit anderen Augen. Ich glaube, er fürchtet sich ein bisschen vor ihnen. Alles was meine Eltern sind, was sie sich erhofft und wofür sie gearbeitet haben, ist dieses Haus in einer kleinen deutschen Großgemeinde. Ich mag meine Eltern. Aber nach drei Tagen dort werde ich verrückt. Alle Zimmer sind rundum holzverschalt. Es gab einmal eine Fernsehwerbung, in der man künstlich eingegrünte Bilder deutscher Flussauen sehen und die Stimme Elmar Gunschs dazu sagen hören konnte: Deutschland ist schön. Mein Freund und ich sind beruflich viel unterwegs und sehen uns alles an. Und wenn wir meine Eltern besuchen fahren, sprechen wir diesen Satz wie ein Mantra vor uns hin: Deutschland ist schön ist schön ist schön. Allein, es hilft nichts. Deutschland ist eben meistens nicht schön. Seine Städte wurden im Krieg plattgemacht. Seine Landschaften sind zersiedelt. Seine Neubausiedlungshäuschen tragen blauglasierte Dachpfannen. Manche Dörfer funkeln von ferne wie die Fingernägel einer zerbeulten osteuropäischen Straßenhure. Bundestraßen führen durch sie hindurch (durch das Dorf – nicht durch die Hure), oder, im besten Fall, an ihnen vorbei.

Aber, sagt mein Freund, der gerne einen Garten hätte, und Ziegen, und ein Huhn, man könnte dort einen Garten haben, und Ziegen halten, und Hühner, und, sagt mein Freund weiter, der überzeugt ist, auf dem Land sei die Luft besser, die Nächte stiller, und die Nachbarn freundlicher, die Luft ist dort besser, die Nächte
sind stiller, und die Nachbarn freundlicher!
Ist dir aufgefallen, frage ich ihn, dass Berlin der Punkt auf der deutschen Landkarte ist, der am weitesten vom Haus meiner Eltern entfernt liegt? Ich denke wir bleiben wo wir sind, sagt er leise.