Was passiert, nachdem der Vorhang fällt, was, bevor er sich hebt, gibt es ein Leben hinter der Schminke, wie schläft man in Brackenheim, wohin geht man in Gaggenau nach 23 Uhr, lieben die Künstler sich oder verkehren sie nur noch per Anwalt? Hier steht es …

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13. Juni 2010 | TIPI am KANZLERAMT Berlin

Der Abschied. Von Berlin. Und dem TIPI. Ist nun doch ein wehmütiger Abend, an dem, wie schön, der Regisseur Kolneder sich noch einmal die Ehre gibt, und auch Robert Recker, der fabelhafte Fotograf und Plakatentwerfer, anwesend ist. Länger noch steht man nach der Vorstellung im Abendhauch vorm Zelt, blickt auf die hell erleuchteten Fenster der Kanzlerin (die muss auch immer bis spät arbeiten, je, wie gut wir das kennen!) vertilgt ein oder zwei Zigarettchen und freut sich dann doch, dass die Jungs in Südafrika eins weitergekommen sind. Wir werden nun die Koffer packen, hinaus auf den Bauernhof ins Uckermärkische, Florian wird mit dem schicken neuen Cabrio ins Südschwedische düsen, Danny und Moritz werden noch ein bisserl weiterarbeiten müssen. Die Hunde Berta und Bolle scheinen zu wittern, dass sie bald den ganzen Tag in Hof, Wiese, Scheune verbringen dürfen, oder am Weiher, wo man so schön Frösche anspringen kann, oder am Zaun zum Hühnerhof, wo man die Hennen das Fürchten lehrt. Da vor dem Schlafzimmerfenster der Malediven gerade die Hochtrasse der U-Bahn renoviert wird (und die der Tram ebenso) werden sie Berlin gar nicht so sehr vermissen. Lo, dem Prenzlauer Berg mit all seinem Lärm und Dreck und Gestank langsam aber sicher auf den Sack geht, würde am liebsten nach Spandau ziehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

12. Juni 2010 | TIPI am KANZLERAMT Berlin

Heute ein langer Spaziergang zum Hamburger Bahnhof und über etliche Spreebrücken zurück zum Reichstag, wo Lo endlich sein Eis bekommt! Das TIPI liegt in milder Abendsonne, aus der Küche riecht es nach Känguruh (tatsächlich!), was, wie sich später herausstellt, nach Reh schmeckt, nur dass es besser hüpfen kann. Wir schmauchen ein Zigarettchen hinterm Zelt, jemand erzählt ein Witzchen, Danny übergibt uns sämtliche Staffeln LOST auf DVD, die wir auf dem Hof im Uckermärkischen schauen wollen, wenn alles Unkraut gezupft und alle Hühner gefüttert sind. Es stellt sich heraus, dass es nur noch 3 Auftritte zur Sommerpause sind. Allgemeines Aufatmen! Ferien! Endlich! Nicht, dass man seinen Beruf nicht lieben würde, und nicht, dass man die Leute und all den Spaß, den man Abends so hat, nicht vermissen würde. Aber FERIEN! Saltkrokan! Smorebrod! Hurra!

11. Juni 2010 | TIPI am KANZLERAMT Berlin

Die Geschenke! Die Geschenke! Entweder, wir werden Alkoholiker, oder Diabetiker: Sektflaschen mit einem Füllungsvermögen von 1,5 Litern! Schokoladenüberzogene Marzipanherzen aus Lübeck! Und wir machen doch keinen Sport zum Ausgleich! Aufhörn! Das muss aufhörn! Danke trotzdem! Wir haben ein sehr spendables und freigiebiges Publikum, mit gutem Geschmack und hohem Prozentgehalt. Danke!

09. Juni 2010 | TIPI am KANZLERAMT Berlin

Die Sonne, das alte Aas, die den gestrigen Tag genutzt hat, um ganz Berlin aufzubacken wie eine Teflon-Pfanne, macht uns heute fast den Garaus. Tetta hat entschieden, den schönen Tag zu feiern und zu Fuß von Prenzlauer Berg bis zum Kanzleramt zu laufen, mit 3 großen Taschen und 2 störrischen und hitzefaulen Hunden, das sei doch nicht so weit, wie die Leute immer meinten, von wegen, Berlin sei zu Fuß nicht zu erleben, das seien doch alles Fußkranke, die auch zu Hause die 200 Meter zum Bäcker mit dem Auto zurücklegen! Es wird ein furchtbarer Marsch durch Mitte und an der Charité vorbei, wo wir schließlich streiten wie die Elstern und von da an auf getrennten Straßenseiten weitergehen, was Berta und Bolle spannend und etwas albern finden. Aber Menschen haben ja sowieso alle einen an der Waffel. Zu erschöpft, um noch wütend aufeinander zu sein, treffen wir im TIPI ein, das aufgeheizt wie ein Brutofen der Hölle und schlaff wie ein Segel bei Flaute im Schatten des Kanzleramtes vor Anker gegangen ist. Die Vorstellung wird noch dadurch verschönt, dass rings um das Zelt der Große Berliner Staffellauf stattfindet, mit Grillstationen, Hunderten Läufern, johlenden Fans auf der Zielgeraden, und einem Stadionsprecher, der sein Maul auch für 5 Minuten nicht halten möchte. Ermattet kämpfen wir uns durch die folgenden 100 Minuten DIE FETTEN JAHRE, Tetta verliert nahezu den Verstand bei dem Versuch, sein Headset-Mikrofon mit Pflaster am schweißüberströmten Gesicht festzupappen. Entnervt streichen wir endlich die Segel und wünschen dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, der morgen diese Hitzekammer bespielen wird, viel Glück! Ansonsten hatten wir übrigens viel Spaß und danken allen im Publikum, die diese Charakterprobe mit uns durchgestanden haben!

08. Juni 2010 | TIPI am KANZLERAMT Berlin

Und zum Abschluss des Tournee-Jahres noch einmal für eine fette Woche zu Hause! Endlich! Wie schön! Über dem TIPI treiben schüchterne Schleierwolken dahin, die letzten, die sich noch nicht vor der gnadenlosen Sonne über Berlin in Sicherheit bringen konnten, drückend liegt die Hitze im Rund des TIPIs, es riecht nach Zeltplane und ein bisschen nach Spree, die müde daran vorbei treibt, wir erwarten heute über 80 Freunde, Holger Klotzbach war so nett, sie zur Wiederaufnahme einzuladen. Es wird ein besonders lustiger und improvisierter und wilder Abend, und lang nicht so heiß, wie befürchtet. Lang noch stehen wir danach vorm Zelt, ein schönes Zigarettchen und ein noch schöneres Pils in Händen und fachsimpeln mit alten Lieben über den Zustand der Welt im allgemeinen und besonderen. Zu betrunken, um den Tourbus noch selbst nach Hause zu lenken, steigt Lo schließlich mit Berta und Bolle zu Nachbarin Maria in deren kleinen silbernen Mini, Maria, die Straßensperren schon einmal über Bürgersteige umfährt und für die rote Ampeln kein unbedingter Grund zum Halten sind. Mehr tot als lebendig kommen wir endlich zu Hause an. Die anderen sind noch feiern gegangen. Herr und Frau Beagle fallen erschöpft direkt hinter der Wohnungstür ins Koma, nicht einmal bis ins Körbchen schaffen sie es. Das kann ja heiter werden.

07. Juni 2010 | CSD-ERÖFFNUNGSGALA Dresden

Komisch, sagt Tetta, hier waren wir doch erst vor ein paar Tagen, als unser Bus vor der Dresdner Herkuleskeule hält, und es hat recht damit, nur ist es heute kein normaler Auftritt, sondern die Eröffnungsgala zum örtlichen CSD, die wir mit einem 90minütigen BEST OF garnieren sollen. Im Schnee sind wir bei unserem letzten Besuch an der Elbe entlang gelaufen, alles war weiß überzuckert und ganz entzückend schön, Leute zogen ihre Kindern auf Schlitten hinter sich her und alle waren besonders freundlich, und Winterglück lag auf Dresden wie ein Fließ aus Zuckerwatte. Heute ist es nun sommerlich heiß und wir entdecken, peinlich genug nach all den vorangegangenen Besuchen, die uns nie dorthin geführt haben, den Dresdner Großen Garten, der schöner ist, Verzeihung, als der Tiergarten bei uns in Berlin. Eine Menge französischer Barock ist hier verbaut, sagt Tetta, der so etwas immer weiß, und Berta und Bolle, die hauptsächlich Wiesen wichtig finden, und vielleicht noch Bäume, denken, ist mir doch schnurz! Wir kaufen jeder ein Eis und gehen unter den Bäumen der großen Allee auf das Palais zu, um uns dort seniorig auf eine weiße Gartenbank zu hocken und den Leuten, die das in dieser Hitze für richtig halten, beim Sport zuzuschauen. Wir treffen einen Rauhaardackel. Und müssen zu bald schon wieder zurück ins Theater, wo das fabelhafte Technik-Team schon alles vorbereitet hat, Janko Mikolajczyk schwirrt durch die Räumlichkeiten und macht es uns sehr gemütlich, die Vorstellung ist eine herzige Freude, es ist fast wie Familie. Hernach dann Sekt in Strömen und eine wundervolle Band, deren Name wir uns leider nicht gemerkt haben, sorry. Es war überaus schön, mit Euch den CSD anzufeiern! Wir wünschen Euch viel Freude und Love, Love, Love!

04.-05. Juni 2010 | ST. PAULI THEATER Hamburg

Die fabelhafte Melanie Schlitter ist das erste freundliche Gesicht, auf das wir im Theater auf der Reeperbahn treffen, und es soll nicht das letzte bleiben, denn die Herzlichkeit der Crew dort, mit der man im Schatten (und in Hörweite) des hinterhöflichen Tattoo-Studios sitzen und schmauchen kann, ist erheblich, auch mögen wir die nicht endenwollende Karawane von besoffenen Touristen, kichernden Teenagern aus Idaho, hundeliebenden Nutten, mies getünchten Transen, und pockennarbigen Türstehern, die uns auf unseren Wegen durch St.Pauli begleiten. Unser Hotel liegt allerdings abseits der schwer sexuellen Niedrigkeiten, direkt an der Binnenalster, parkplatztechnisch eine mittlere Katastrophe, denn die Hamburger tun das, was sich die Berliner kaum noch leisten wollen, sie shoppen bis zur Schmerzgrenze, und sie wollen sich dafür nicht weit von ihren Porsche Cayenne entfernen, was den Verkehrsinfarkt rings ums Hotel noch verstärkt, doch kann uns all das nicht betrüben, weht doch von der Außenalster ein mildes Lüftchen direkt ins Zimmer, wir laufen denn auch sofort an den nächsten Fähranleger, zu Onkel Bodo, wo wir immer zwei Liegestühle mieten (4 Euro die Stunde mit Selbstbedienung, ein Milchkaffee, eine Apfelschorle ohne Eis!) und den Segelkadetten beim Segelnlernen zuschauen, den Tretbootlern beim Treten, und den Möwen beim Kacken. Berta und Bolle sind ausnahmsweise auch einmal damit zufrieden, nur still zu liegen und zu schauen, denn soviel Getümmel auf einer Wasseroberfläche gibt es bei uns zuhaus dann doch nicht. Zwei Vorstellungen lang haben wir eine famose Zeit, die Hamburger sind amüsierwillig und kennen keine falsche Scham, auch treffen wir Freund Frank und etliche reizende Gäste hernach in der Bar des St.Paulis und sitzen und schauen und schwatzen. Am nächsten Morgen, es ist ein Samstag, der übliche Spaziergang durch Övelgönne, mit neiderfülltem Blick auf blonde Familien in Kapitänshäusern mit Elbblick, seit Jahrhunderten innerhalb der Familie weitergereicht und unerreichbar für uns armselige Schlucker. Schön sindse trotzdem, wir spieken über Gartenzäune und Hecken und erträumen uns ein bisschen Immobilien-Porno. Endlich dürfen Mr. und Mrs. Beagle auch von der Leine und ausgiebig den Elbstrand durchpflügen, sogar Würstchen und Hühnerknochen finden sich unter angekokelten Holzbalken und werden hastig herunter geschlungen, bevor die bösen Menschen es ihnen aus den kauenden Mäulern reißen können. Zur Strafe rufen wir kaum eine Stunde später in fünfminütigen Abständen DRECKSAU, als die Jagdhundpupse durchs Theater wehen, denn so einen Müll verdaut auch ein Beagle nicht ohne weiteres. Die Dame und der Herr schauen peinlich berührt und scheinen den Verlust ihrer Würde zu fürchten (welche Würde?). Noch in der Nacht nach unserem letzten Auftritt fahren wir zurück nach Berlin, kaum drei Stunden später liegen wir in heimischen Betten, gut so, denn am nächsten Tag geht es gleich weiter nach Dresden.

30. Mai 2010 | HUNDERTMEISTER Duisburg

Duisburg ist eine der Städte, die wir stets nur in Ausschnitten kennenlernen, will heißen, wir rasen von der Autobahn zum Theater, versuchen, den Blick von den ruhrpöttischen Bausünden abzulenken, proben, verschließen die Hotel-Türen von innen, treten auf, und fahren wieder. Diese Ignoranz dem Ort gegenüber steht in keinem Verhältnis zur Freundlichkeit des Hundertmeister-Teams, denn auf die ist Verlass, wir fallen wir ausgehungerte Wölfe übers Catering her und trinken nach der Vorstellung getreu Tettas Motto, halb besoffen ist rausgeschmissenes Geld, die Hundsviecher entdecken direkt hinterm Dellplatz ein Museum mit zeitgenössischer Sammlung, interessieren sich aber dann doch nur für den Park drumherum.

29. Mai 2010 | PEPPERONI Bocholt

Bocholt scheint nun wirklich der von Berlin am weitesten entfernte Ort zu sein, fast schon in Holland fühlt man sich nach all den hunderten Kilometern Autobahn, die Hunde sind säuerlich und steifhüftig und wollen sofort mit einem ausgiebigen zweiten Frühstück und einer fetten Runde um den Aasee belohnt werden. In strömendem Regen jagen wir Hasen und Triathleten und freuen uns an dieser Natur-Oase mit Fastfoodkettenanschluss, denn es duftet aus dem nahen McDonald's nach Frittenfett und Mayo. Klaus und Christa Hoffs, die Eltern der Pepperoni-Bühne stehen wie immer Gewehr bei Fuß, um unser Wohl besorgt, und perfekt organisiert wie sonst nur die sizilianische Mafia: wo immer man hin will, sie sind schon da, was immer man braucht, sie halten es in Händen. Wir erleben einen besonders lustigen Abend. Merci.

26.-27. Mai 2010 | SPIEGELZELT Weimar

Ihr Hund hat meinen Ball geklaut, das haben wir mindestens dreimal täglich gehört in Weimar, denn die Wiesen rings um Goethens Gartenhaus sind beliebtes Auslaufgebiet und Jung-Beagle Bolle entpuppt sich immer mehr als freundlicher Kleptomane, dessen Begeisterung sein Geschick zwar deutlich übersteigt, der aber mit seiner penetranten Freundlichkeit dann doch so manchen furchteinflößenden Rüden besiegt. Weimar liegt in prächtiger Sommersonne, als wir zum ich-weiß-nicht-wievielten Gastspiel dort eintreffen, unser erster Weg führt uns ins Restaurant Charlotte, wie so oft, dem Haus der Frau von Stein benachbart und Hort ostdeutscher Gastlichkeit. Die Sprödheit der Kellnerin sucht zwar seinesgleichen, ohne es wahrscheinlich zu finden (vielleicht noch in Pjöngjang), doch die Küche ist wie immer herausragend und zaubert einen Spargelsalat und ein Orangenrisotto auf den Tisch, dass man direkt sterben möchte. Die Wege durch das Städtchen werden jedesmal ein wenig weiter, diesmal sind wir ins Museum für Gegenwartskunst geraten und hinauf zum restaurierten Belvedere, der Schönheiten in Weimar sind soviele, wo soll man anfangen, wo aufhören, wir fühlen uns jedesmal so bildungsbürgerlich wohl und satt, dass die Auftritte fast zur Nebensache geraten. Das Frühstück im zauberschönen DORINT direkt gegenüber dem Köstritzer Spiegelzelt ist denn auch noch ein Klasse für sich, Tetta häuft Pancakes und Belgische Waffeln und Spritzgebäck auf seinen Teller, der normalerweise für Kohlenhydrate gesperrt ist, dass einem Angst und Bange wird, wir sind sehr wohlig und glücklich und danken es mit enormer Spielfreude an zwei ausverkauften Abenden mit entzückend gut aufgelegtem Publikum.

07.-08. Mai 2010 | COMEDIA Köln

In ein so zauberschönes Theatergebäude ist die Comedia Colonia gezogen, dass man glatt neidisch werden könnte, mit Probenräumen und zwei wunderschönen Bühnen, die in den nächsten zwei Tagen (großer Saal) von uns und (kleiner Saal) von Ulan & Bator und Sarah Hakenberg bespielt werden, man trifft sich abends gern noch im ausgezeichneten Theater-Restaurant und süppelt Pilz-Risotto und Baby-Spinat-Salat, was leckerer nicht sein könnte, tagsüber, man hat ja auch noch ein Leben zu leben, gehen wir shoppen, Lo darf sich endlich seine neuen Küchenstühl kaufen, die alten, immerhin, sind ja noch aus Studentenzeiten und daher sperrmüllig, und spazieren geht man auch, man hat ja, quasi, die Natur direkt vorm Fenster, denn vom Maritim-Hotel, das starke Ähnlichkeit zu Fallon Carringtons La Mirage-Hotel im DENVER CLAN aufweist, natürlich, die Besitzerin ist ja auch Amerikanerin und somit geschmacksresistent, schaut man direkt auf die Rheinwiesen, grüne Oasen der Hundefreundlichkeit mit Kanuten, Joggern, Schafen, Hasen, und Kindern, die Drachen steigen lassen. Unser B-Team ist hochzufrieden und meldet sich für die nächsten zwei Stunden ab. Man sitzt und raucht und schaut dem Fluss beim Fließen zu. Georgette Dee spielt zeitgleich im GLORIA. Paul Kuhn, mit besorgniserregender Brille, irgendwo anders. Beide wohnen ebenfalls in unserem Hotel. Nur hat Georgette das schönere Haar. Man grüßt sich kurz am Frühstücksbuffett, aber mehr ist nicht drin, morgens kann Lo einfach nicht freundlich sein. Zurück geht es nach zwei fabelhaft angenehmen Tagen, was sich auch der Betreuung durch Jürgen verdankt, der sogar Kuchen backt für die Maledivetten (!), und natürlich dem treuen, lauten, vergnügungssüchtigen Publikum in der Comedia, auf das man sich auch ein halbes Jahr im Voraus freuen kann, eine Rückfahrt also, die allerdings einen leichten Makel hat, denn kurz hinter Oberhausen schließt sich eine Klappe des Diesel-Motors, die nach Auskunft unseres zuständigen Gelben Engels (so stellen sie sich am Telefon wirklich vor und meinen doch eigentlich ADAC-Mitarbeiter) gar nicht hätte schließen dürfen, nichtsdestotrotz zuckeln wir danach mit nur noch 80 km/h zurück nach Berlin, was bei 680 Kilometern gar kein Spaß ist. Zur Strafe essen wir ganz viel Junk-Food, was uns dann auch nicht glücklicher macht.

06. Mai 2010 | MORITZBASTEI Leipzig

Das schöne, schöne Leipzig, es versinkt im Regen, die Autobahn ist überfüllt und zudem noch rutschig, wir landen also eine gute Stunde später als geplant in der Metropole des Ostens, doch ist das kein schlechtes Omen für den abendlichen Hossa-Hossa, nee, keineswegs, wir haben einen ganz bezaubernd lustigen Lauf an diesem Donnerstag, mit einem gut aufgelegten Publikum und besonders anrüchiger Improvisation seitens Tetta, der von Muschi Stoibers Dernière spricht, als hätte er dort einmal Urlaub gemacht, später, es regnet immer noch, wer kann das glauben, fahren wir zurück in unser Hotel und freuen uns auf Köln. Da soll es zur Stunde trocken sein.

25. April 2010 | STADTHALLE Tuttlingen

Normalerweise sind wir, wenn wir in Tuttlingen spielen, immer in der Angerhalle in Möhringen, das ist gleich neben dem Minigolfplatz, es ist irrsinnig grün da unten und sehr ländlich, Berta & Bolle waren schon voller Vorfreude, doch itzt heißt es also Stadthalle, denn es wird ein Jubiläum gefeiert, die Tuttlinger Krähe, ein Kleinkunstpreis, ist im 10ten Jahr, und die Preisträger der letzten Jahre geben sich noch einmal die Ehre, Lars Reichow, Martina Brandl, und wie sie alle heißen. Nettes Catering, wie stets, nettes Team, wie immer, schöner Abend alles in allem, obwohl wir die Bunten Abende nicht mögen, immer rumstehen, immer warten, immer anderen zuhören, es liegt uns einfach nicht, wir nutzen die verbleibende Zeit, die durchaus bleiern ist, um vor der Stadthalle zu rauchen, wo große Fackelsäulen die Luft mit Holzkohlenduft schwängern, was bei uns Spanferkel-Alarm auslöst. Tetta ist vergrippt und is schlepping himself back to the hotel.

24. April 2010 | Mannheim

Schon wieder eine Stadt, durch die der Neckar fließt, man könnte denken, es ginge gar nicht mehr ohne ihn. Schön machen es uns die Mannheimer, ein sehr sinnenfroher Abend, auch wenn es danach schnell wieder ins Hotel zurück geht, der Hund zahnt, was willste machen ...

18. April 2010 | KARLSTORBAHNHOF Heidelberg

Geht man an einem sommerwarmen Tag wie diesem in Heidelberg zum Neckar hinunter, sieht man die Heidelberger am gegenüberliegenden Ufer zwischen Uferstraße und Leinpfad im Gras liegen. Es liegen dort soviele Heidelberger, dass es von fern scheint, der Wind habe zu einer Schnitzeljagd über die Neckarwiesen geblasen und die Schnipsel lägen jetzt dort herum und irrlichterten in der strahlenden Mittagssonne. Da wir erst nach einem sehr späten Frühstück dorthin finden, scheint für uns hier kein Platz mehr zu sein und so tändeln wir die Obere Gaisbergstraße hinauf in den Odenwald, bis ganz hinauf. Von dort oben sehen wir auf das Schloss hinunter und auf die hunderte schwarzer Helme, unter denen sich heitere Asiaten die berühmte Stätte beschauen. Es ist ein ganz und gar reizendes Gewimmel dort unten, derweil wir die mitgebrachten Stullen mampfen und den Spechten bei ihrer Arbeit zuhören. Wir freuen uns dort auch ein wenig vor auf das Publikum im Karlstorbahnhof, das uns bisher nie enttäuscht und uns stets zauberschöne Abende bereitet hat. Bolle und Berta jagen eine Taube, die vorgibt, jedesmal nur äußerst knapp zu entkommen und die die beiden ordentlich zur Verzweiflung treibt. Keuchend geht es nach kaum zwei Stunden Vogeljagd bergab, mit uns, wie mit unserer Kondition. Der Abend wird FETT, wie es der Programmname ja schon angedeutet hatte. Wir haben besonders viel Freude an Techniker Danny Selinger, der trotz aller Widrigkeiten einen perfekten Job macht. Danke, Süßer, you are one of a kind.

15.-17. April 2010 | UNTERHAUS Mainz

Eine ganze Suite wartet auf uns im niegel-nagelneuen INTERCITY am Hauptbahnhof, in zurückhaltenden Creme-Tönen gehalten, mit gleich zwei Flachbildschirmen, zwei Bädern, einem riiiesigen Wohnzimmer und einer Lustgrotte von Schlafzimmer. Vielleicht, denken wir sofort, haben die sich im Unterhaus geirrt, mit der Zimmernummer vertan, oder dem Stockwerk - oder sollten wir mittlerweile eine ganz Suite wert sein? Und wie kommt es, das Luca, die Perle des Gastrobetriebes Unterhaus, uns nun auch hier das Frühstück serviert? Das ist doch ein Komplott, ruft Tetta! Lo stimmt dafür, den Zufall zu nutzen und einfach ALLES anzunehmen: die unverhofft schlossartige Unterbringung und die Bevorzugtbehandlung durch befreundete Service-Kräfte! Schnell ist der Rest der Mannschaft korrumpiert und genießt die drei Tage in Mainz in vollen Zügen. Tetta fährt an einem sehr heißen Nachmittag Richtung Eltville in die Berge und folgt einem Wanderweg, der von einem Eichenlaub beschrieben und geführt wird. An einem Kreuzweg halten ihn zwei Teenager auf Rädern an und fragen nach dem Weg nach Mainz. Tetta ist der Autobahn gefolgt und auch seinem Navigationsgerät und weiß also mit dieser Frage nichts anzufangen. Wo er denn herkomme, fragen die hilflosen Teenager. Na, von da, antwortet Tetta und weist in Richtung des Baumgrüppchens, durch das ihn die Hunde gerade gezerrt haben. Und Mainz? fragt die weibliche Hälfte des Duos noch einmal. Da lang! weist Tetta den Weg und hofft bis heute, die beiden Heranwachsenden nicht in den Tod geschickt zu haben. Tetta hält es mit Auskünften wie die Asiaten: nichts zu wissen ist gleichbedeutend mit Schande. Also sagt man im Zweifel einfach das nächstliegende und hofft auf den Zufall. Jeder Abend im Unterhaus übrigens wird durch den folgenden noch überboten, so dass wir am Samstag den rundheraus schönsten, dicksten, sattesten Abend erleben. Wir begießen das mit Mix-Getränken in der örtlichen Schwulengrotte. Chapeau!

20. März 2010 | TOLLHAUS Karlsruhe

Das war nun wirklich der allerschönste Auftritt des bisherigen Jahres, ohnehin schon reich an Höhepunkten (hüstel): so ein schöner schwul-lesbischer Haufen mit reizenden heterosexuellen Klecksen darin! Was für eine Welle! Was für ein Schäumen! Wir wollten da gar nicht mehr weg! Leider ist auch der schönste Abend einmal zu Ende – aber diesmal war es wirklich eine Schande, dass man zwei Stunden Show nicht willkürlich verlängern kann! Nachts haben wir noch lang am Fenster des Best Western gehockt, billige Zigaretten geschmaucht, teuren Rotwein gesüppelt, und uns gut und wohl gefühlt. Flo hat sogar noch seinen lieben alten Kassetten-Rekorder geholt und Roy Orbison singen lassen! Drüben vom Zoo her konnten wir die Brüllaffen hören und die Elefanten. Oder waren es Mufflons? Sind das überhaupt Kühe? Oder doch eher Ziegen. Man wurde sich nächtens nicht mehr einig darüber. Danke, Karlsruhe! Wir sind noch immer benommen und bezaubert; und das ist doch eigentlich unsere Aufgabe! Sei’s drum: heute fangen die Osterferien an: drei endlose freie Wochen liegen vor uns und wollen mit NICHTS gefüllt sein. Wir werden diesen Wunsch respektieren und alles baumeln lassen was wir so haben. Bis demnächst, in Mainz!




19. März 2010 | KULTURBEUTEL Speyer

Speyer besitzt, nach Stuttgart, die baumärmste Innenstadt Deutschlands. Nicht, dass es nicht ins Stadtbild passen würde, selten haben wir mehr hübschere Häuser gesehen, als hier rund um den traumhaften Dom versammelt sind, immerhin: für Hunde, die darauf trainiert sind, AUSSCHLIESSLICH auf Rasen und Sand zu pullern, ist es kein leichtes Spiel. Berta versucht, auf dem Hotel-Parkplatz in einen Blumenkasten zu machen, und scheitert grandios. Mit Blumenerde verunstaltet zieht die Beagle-Madame einen Flunsch und verlangt, an den nächsten Fluss gebracht zu werden. Lo gehorcht und muss zur Wiedergutmachung zweieinhalb sehr sehr lange Stunden flussabwärts traben. Der alte Stadtsaal in Speyer scheint nahezu auf den letzten Platz gefüllt, als wir nach jahrelanger Abwesenheit die ersten Töne von DIE FETTEN JAHRE erklingen lassen. Der Abend ist vom Start weg eine Kutschfahrt mit alten Freunden. Es macht recht viel Spaß und wird danach noch von einer Pizza Criminale (so heißt in Speyer die Pizza Tonno) in der Pizzaria gegenüber gekrönt. Sehr gutes mangiare! Wir sind übrigens eingeladen worden, um das 20jährige Bestehen des Kulturbeutels zu feiern, und wenn man das anwesende Publikum zum Maßstab nimmt, müssen es 20 sehr erfüllende und inspirierende Jahre gewesen sein. In Speyer möchten wir schließlich noch das Hotel Löwengarten empfehlen, dass einen Extra-Stern für unverkrampfte Freundlichkeit erhalten sollte.


18. März 2010 | VORDERHAUS Freiburg

Nachdem der Winter in Berlin uns fast getötet hat, wirklich, er hat uns beinahe um den Verstand gebracht mit seinen Schneebergen und Eisflächen und Matschpfützen und eisigen Winden und festgefrorenen Autoschlössern und erfrorenen Balkonpflanzen, nach dem wir all dem schon fast nichts mehr entgegenzusetzen hatten, schlägt in Freiburg das Wetter um, der Frühling besiegt den Winter, 18 Grad und Sonnenschein! Wir reißen uns die Steppjacken vom Leib und tändeln im T-Shirt um einen nahen Baggersee, die Hunde außer sich vor Freude, Bolle, der kleine Beagle, der noch nie etwas anderes als Schneefelder gesehen hat, beschnuppert jeden Grashalm und jeden Krokus und wälzt sich vor Übermut jaulend in Entenkackehäufchen! Im ausverkauften Vorderhaus noch einmal UNGESCHMINKT zu spielen, wird da fast zur Nebensache. Schön ist es dennoch. Hinterm Theater übrigens wird gebaut, irgendein wissenschaftliches Institut wird dort hochgezogen; noch ist es eine gigantische Baugrube, zu Los größter Freude – denn er schaut so gern Baustellen an! Tetta dagegen fährt mit den Hunden auf den Schauinsland hoch, und hofft, Eiger, Mönch und Jungfrau zu sehen. Wird aber nix damit. Und Scheiß-Schnee liegt dort außerdem noch. Da ist Lo doch froh, auf dem Fensterbrett zu sitzen, sich eine LIDL-Menthol-Zigarette anzustecken und den Baukränen bei ihrer Arbeit zuzusehen. Florian schaut derweil die zweite Staffel der Serie TEACHERS, die wir hiermit sehr empfehlen. Tags darauf hat man noch Zeit, in Staufen, der entzückenden kleinen Stadt mit einem der schönsten Marktplätze der Region zwei sündhaft günstige und ebenso schnieke Vasen zu kaufen (zu holen, wie Tetta immer sagt – und schon klingt es nicht mehr so nach Geldausgeben …). Außerdem gibt es (holt man sich) zwei belegte Käsebrötchen im Rathaus-Café und Sonnenschein gratis. Hier in Freiburg und Umgebung dominiert unter Radfahrern übrigens die Liege-Rad-Fraktion, von denen man immer erst die strampelnden Füßchen sieht und dann mittelalte Männer und Frauen in Funktionskleidung und Helm (sie tragen immer Helm!). Auf dem Marktplatz von Staufen nun fährt einer dieser Helden des Radverkehrs in eine Baugrube – und Malediva ist LIVE mit dabei. Dank Helm passiert ihm nix. Und es ist so lustig wie Upps! Die Pannenshow. Nur in echt!


03.-06. März 2010 | LUSTSPIELHAUS München

Zwei freie Tage in München führen uns erst auf die Ilka-Höhe am Starnberger See (Achtung: Restauration am Montag geschlossen, grmpf!) und am nächsten Morgen zu den Schlössern des König Ludwig. Wenn eine verrückte alte Tunte all ihr Geld in die Hand nimmt, um sich ein paar schöne Wochenend-Bungalows zu bauen, muss man mit dem Schlimmsten rechnen, besonders bei der Inneneinrichtung: hier haben die Zuckerbäcker so viele Überstunden gemacht, dass das Gesamtergebnis aussieht, als hätte Walt Disney einen schlechten Tag gehabt und eine paranoide Cinderella zur Architektin bestimmt. Immerhin stehen die leicht überzuckerten Scheusslichkeiten in schönster und wahnhaftester Landschaft und auch die allgegenwärtigen Japaner sind gut auszuhalten. Den Hunden ist es sowieso wurscht, was da an mieser Stukkatur im Wald steht. Sie dürfen nach Herzenslust raufen und toben und sich von Schwänen bedrohen lassen; sie sind glücklich. Die München-Premiere von DIE FETTEN JAHRE schließlich ist wundervoll! Ein volles Haus, reizende Heerscharen im Parkett, eine Horde von Mitarbeitern, die sich an einem freien Abend nur unseretwegen noch einmal ins Lustspielhaus geschleppt hat - mehr kann man nicht verlangen.

Der zweite Tag in München und damit der erste, den Lo fast zur Gänze im Englischen Garten verbringen wird: Berta, die saudumme Beagle-Schlampe, von der hier schon öfter die Rede war, geht auf Entdeckungstour und lässt Lo und Bolle allein zurück. Nun wird den beiden Alleingelassenen erst bewusst, wie groß der südliche Teil des Englischen Gartens wirklich ist, denn sie laufen ihn zweimal komplett ab auf der Suche nach der hässlichen alten Kröte, die sich derweil irgendetwas Essbares organisiert hat und es in großen Happen verschlingt. Später wird sie es in zwei-minütlichen Abständen wieder herauspupsen. Etwas Schlimmeres hat ein Mensch noch nicht einatmen müssen, Dantes Inferno ist ein Besuch bei DOUGLAS dagegen. Wir leiden alle. Sehr. Endlich findet Berta ihr Gewissen wieder (es muss die Größe einer verschrumpelten Erbse haben) und trabt zurück zu der Bank, auf der Lo und Bolle seit zwei Stunden frieren und bangen. Fröstelnd bereitet man sich in der verbleibenden Zeit auf die Show vor, die dann sehr nett wird. Zum Trost darf Lo sich von Tettas Taschengeld einen echt-italienischen Cardigan bei LEIB & SEELE in der Occamstraße kaufen, ein Laden, den er seitdem jedem ans Herz legt! Und nach Feierabend kommt auch noch Eike Koch daher, die sich die Mühe gemacht hat, die Show zu gucken, und der es sehr gut gefallen hat! Ihre reizende Freundin hat derweil rumänische Marlboro Lights auf den Tisch gepackt und lässt alle mitrauchen. Die schmecken aber gut, die Rumänen! Danke sehr!

Der dritte Abend beweist, dass die Bayern im Allgemeinen und die Münchner im Speziellen sehr viel trinken und noch mehr vertragen. Ganz Schwabing schwankt und torkelt und das nicht nur am Abend. Die Stehkneipen in der Nachbarschaft sind schon zum Frühschoppen gut gefüllt. In der Nacht dann gehen die beiden Hunde mit ihren Begleitern sicherheitshalber auf Umwegen zum Hotel. Prompt kommt es an der Münchner Freiheit zu einer Rauferei, die die vier elegant umgehen. Tagsüber besucht man das Hofbräuhaus, in dem die Haxen wohl gut sein mögen, die Salate (und der Fisch!) aber Raststättenqualität haben. Der entzückende Kellner lässt sich gern mit unseren Helden fotografieren, tut das aber auch für die angeschickerten Neuseeländerinnen am Nachbartisch, was die Freude über den hübschen Schnappschuss schon nicht mehr so exklusiv sein lässt. Hernach wackelt man noch zu Schuhbecks Gewürzparadies, verlässt es jedoch bald wieder; ein Tiegelchen Gewürzmischung vom Meister kostet 13,95 Öre und ist nicht größer als eine Hundepfote. Wir drängen an den hereinströmenden Lodenträgern vorbei und würzen lieber wieder selbst.

Der Samstag schließlich bringt das enthusiastischste Publikum bisher und macht besonders viel Freude, auch wenn danach das Packen beginnt, denn morgen um acht setzt sich der Bus der Vielversprechenden in Richtung Berlin in Bewegung. Wir danken dem Hotel Alt-Schwabing und besonders der Junior-Chefin, der wir stets eine halbe Stunde zu früh aufs Frühstück gelauert haben. Hunde kennen da keine Gnade. Nieder mit den Langschläfern! Die Fahrt nach Hause verläuft ohne nennenswerte Vorkomnisse. Schön ist es, bald zu Haus zu sein, sagt die Biene zu dem Stachelschein.




28. Februar 2010 | LINDENKELLER Freising

Sebastian Gietl vom Lindenkeller ist nun wirklich keine Zierde für das Amt für Kultur und Tourismus von Freising, aber immerhin typisch für so viele Kulturbeamte deutscher Kleinstädte: obschon er Veranstalter des Abends ist, wird er weder zum Empfang noch zur Vorstellung gesichtet, nicht einmal ein Willkommens-Zettelchen hat er auslegen lassen! Aber nicht an uns liegt es, wird uns versichert: der Herr Gietl lässt sich selten blicken! Bei soviel Engagement wundert es nicht, dass die Besucherzahlen des Lindenkellers langsam aber stetig ins Bodenlose fallen, das Geld des Herrn Gietl wird ja hier nicht verbrannt, Gott sei Dank, denkt der Herr Gietl wahrscheinlich. Die Technik-Crew könnte charmanter nicht sein, tröstet aber auch nicht darüber hinweg, dass nur ein jämmerlich Häuflein immerhin gut aufgelegter Zuschauer kommt. Wir werden schmerzlich an die ersten Jahre erinnert, als AUSVERKAUFT noch in weiter Ferne und 30 Zuschauer ein Grund zur Freude waren. Das war es dann für uns auch mit dem Lindenkeller. Dem Herrn Gietl möchte man ein glücklicheres Händchen wünschen - oder wie meine Mutter immer sagt: wenn du eine Arbeit machst, dann mach sie so, dass deine Mutter stolz auf dich sein kann. Arme Mutter Gietl!

27. Februar 2010 | KULTURCENTRUM Riem

In Riem war einmal der schöne neue Flughafen von München, es hängen dort noch Bilder aus, die begeisterte Bayern bei der Taufe eines Flugzeuges zeigen und später dann der Einweihung des neuen Zentralgebäudes. Das ist lange her und in der Zwischenzeit hat jemand beschlossen, draußen im Erdinger Moos den Franz-Josef-Strauß-Airport zu bauen und Riem sich selbst zu überlassen. Bis einige findige Münchner darauf gekommen sind, einen ganz fabelhaften neuen Stadtteil, die Messestadt Riem, zu bauen, der in verschieden großen Schlüsseln (30% Mittelstand, 30% Bürofachkräfte, 30% Sozialhilfeempfänger, 10% alleinerziehende Mütter - so ungefähr) verschiedene Bevölkerungsgruppen zusammenzwingt und Blick auf mittlerweile grüne Flugfelder bietet, der BUGA sei dank. Kultur gibt es dort natürlich auch, neben all dem Shopping, das das funkelschöne Einkaufszentrum mit den üblichen Verdächtigen (Pixie, H&M, Saturn etc.pp.) ermöglicht. Im dritten Stock über einem Nagelstudio und einer Fahrschule (das mit dem Nagelstudio stimmt womöglich nicht, das mit der Fahrschule dafür umso mehr), in der Erika-Cremer-Straße 8/III, residiert das Kulturzentrum und schafft es Dank Frau Machelett, uns ein ordentliches Willkommen zu bieten und einen anständigen Abend, der viel Freude bereitet. Die Wiesen hinter dem Einkaufszentrum sind wirklich für einen Bummel zu empfehlen - es gibt sogar einen Badesee!

26. Februar 2010 | OVAL Salzburg

Die Stronegger-Margret hat uns mal wieder nach Salzburg gerufen; und wir sind gern gekommen! Über die Stadt selbst wissen wir in diesem Jahr nichts zu berichten, sie wird jedoch mit höchster Wahrscheinlichkeit noch genauso da liegen, wie im letzten. Es ist eine sehr, sehr kleine Stadt, dekoriert mit Pferdeäpfeln und Japanern, leicht in einem knappen Stündchen zu durchwandern und voller kleiner Lädchen und Boutiquen für die ältliche Damenwelt, die gern Putten auf dem Schlüpfer trägt. Das OVAL, die Bühne im Europark, ist eine bildhübsche Theaterschachtel in einem riesigen Einkaufszentrum, eben dem OVAL! Wenn unser lieber Gasthof Kohlpeter die rustikale Seite des Salzburger Gemüts symbolisiert, dann übernimmt das OVAL die Space-Shuttle-Aspekte des österreichischen Bürgertums: uneingeschränkte Konsum-Freude und großer Verzehr-Wille in futuristischer Umgebung ohne jeglichen Bezug zur Umgebung! Herrlich! Wir haben einen sehr schönen Abend auf der Bühne und auch noch dahinter, denn wir gehen noch Essen mit der Stroneggerin, und es schmeckt sehr gut!



25. Februar 2010 | KOMÖDIE Augsburg

Augsburg ist ein alter Freund: wir haben einen Lieblingsitaliener (Al Teatro am Vorderen Lech 8!), einen Lieblingsspaziergang (den Weg vom Hotel zur Fugger-Siedlung), und die schöne alte Komödie als Spielort, die direkt nach unserem Gastspiel leider hat schließen müssen - es hatte mit uns immerhin nichts zu tun! Wir danken für einen sehr schönen Tag und wünschen gute Besserung!

21. Februar 2010 | PAVILLON Hannover



19.-20. Februar 2010 | KREATIV-HAUS Münster

Klein ist das Kreativ-Haus in Münster! Die Umkleiden liegen übern Hof! Die Leute sitzen in einem sanft ansteigenden Bogen hoch über unseren Köpfen! Die Bühne ist winzig! Schön wird es dann trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb.

18. Februar 2010 | ZECHE Bochum

Eine Gothic-Garage in Depeche-Mode-Ästhetik nannte Florian das discothekische Treiben, was nach unserer Show in der Zeche in Bochum einsetzte, und Lo kann dem nur zustimmen: er hatte auf seinem Hundespaziergang zwei gut genährte Bochumer Kids belauscht, die sich auf dem Parkplatz herumdrückten und das typische "Meinste, wir könn' jetzt schon reingehn?"-Geziere veranstalteten. Schockierend wenig Bochumer hatten Lust auf Theater. Punkt. Dabei war es ein sehr heiterer Abend! Aber die Disse blieb dann auch schlecht besucht. Die Konkurrenz darbte also auch, was schon mal kein schlechter Trost ist.

15. Februar 2010 | TONHALLE Nürnberg

Diesmal haben uns Hinfahrt und Heimfahrt mehr zu denken gegeben, als die Vorstellung selbst.

Denkwürdiges Teil 1:
Auf der Raststätte Frankenwald (und nur da!) sind die Kabinen der Herrentoilette mit Frauennamen versehen. So kam es, dass an einem ganz normalen Montagmorgen Tetta auf Marylin gepinkelt hat, und Lo auf Claudia. Sie mögen es uns verzeihen!

Denkwürdiges Teil 2: An einer anderen Raststätte, wir verschweigen den Namen aus Spannungsgründen, werden wir zum 4. Mal in Folge von der Zollpolizei gefilzt. Wir scheinen zu ihrer beliebtesten Zielgruppe zu gehören. Männlich, ledig, halbjung. Statt Drogen finden die enttäuschten Fahnder Hundefutter, das sie misstrauisch mustern.

Nürnberg selbst ist ebenfalls eine Überraschung. Nach über 10 Jahren regelmäßiger Besuche in dieser Stadt entdecken wir, dass sie in ihrer Mitte, naja, etwas links davon, einen richtig schönen großen See hat! Wir laufen drumherum. Die Hunde treffen sich mit Artverwandten. Wir treffen einen Vierjährigen, der AQUARIUMSBEDARF sagen kann! Was ist denn mit diesen Kindern heutzutage los?

Die Tafelhalle ist ausverkauft, Uli und ihr Team treusorgend und charmant wie eh und je, die Stimmung bezaubernd und gelöst. Ungeschminkt spielt sich runter wie geschnitten Brot. Im Hotel Klughardt schläft es sich so gut wie daheim. Es duscht sich sogar besser: man hat Fußbodenheizung! Lo will jetzt auch eine! Er ruft gleich morgen den Vermieter an und fragt, wieviel so etwas wohl kostet. Warme Füße per Schaltzahluhr! Im Berliner Winter! Ein Traum!


07. Februar 2010 | PARKTHEATER Iserlohn

Fast 800 Leute im Iserlohner Parktheater. "Alles Abo!" ruft Florian spöttisch. Und irrt! Wir haben viel Freude an diesem Sonntag. Obwohl die Vorstellung montags-freundlich schon um 19 Uhr beginnt. Man hat uns, wie all die Jahre zuvor, in Lössel untergebracht, einem kleinen Einfamilienhäuserdorf süd-westlich von Iserlohn. Man durchfährt Hintergrüne und Roden ("Hoden!" ruft Tetta unvermeidlich), in dem es ein entzückendes kleines Lokal namens PUTTE gibt ("Nutte" ruft Tetta, "Nutte mit Hoden!") und landet schließlich im beaglefreundlichen Romantik- und Landhotel Neuhaus, wo man so gut isst und so reizend umtüddelt wird, dass man gar nicht mehr fort möchte. Gleich am Hotelparkplatz vorbei kann man bergan gehen und die Hunde in den Wald jagen. Besonders Welpe Bolle ist hocherfreut: es ist seine erste kleine Tournee; er hatte schon geargwöhnt, es gebe auf Arbeit keine Spaziergänge. Und jetzt gleich so einen schönen! Mit Rundblick! Das Parktheater Iserlohn daselbst liegt auf einer Anhöhe mit Blick auf den Hauptbahnhof Iserlohn, umgeben von Villen und hochwertigen Automobilen. Die Zuschauer entsprechen ungefähr dem Publikum der Berliner Deutschen Oper - nur in chic! Man hat sich herausgeputzt wie zu einem Konzert der 3 Tenöre! Wir bügeln noch schnell unsere Hemden, naja, wenigstens die Ärmel. Die Show verläuft glamourös und reibungslos, mal eine nette Abwechslung zu der katastrophalen Vorstellung in Köln (die jedoch auch ihre Liebhaber gefunden hat)! Hernach hechten wir schnell in den Tourbus, der uns zurück nach Lössel bringt: uns wurde ein Essen versprochen! Es gibt Rindfleisch, und Chili-Möhren-Suppe (oder so ähnlich) und ein fabelhaftes Dessert. Das alles hat den Kaloriengehalt einer Butterbombe, die über Nacht in Schweineschmalz gezogen hat. Wir beten, dass unsere Körper noch einmal versuchen, all das Zeug zu verbrennen, und wir nicht morgen mit riesigen Ärschen erwachen. Derweil läuft im großen Saal des Hotels eine Art Dinner-Theater. Ich sage 'eine Art', weil es zwar Dinner, aber kein Theater gibt, sondern stattdessen ein humoriges Interview mit dem berüchtigten Rolf Zacher und einem Magier, der schon Löffel verbogen hat, als Uri Geller noch als György Geller in Tel Aviv in kurzen Hosen Soft-Eis gelutscht hat, jawoll, meine Herrn! Wir lassen ausklingen. Den Abend. Mit Zigaretten und Rotwein und einem ehrlichen deutschen Pils. Wahrscheinlich haben wir hier sehr, sehr viel Geld verdient. Lo muss es gleich einmal nachrechnen. Sein Haus im Süden braucht eine neue Terassenmauer. Und die gibts auch nicht umsonst!

05. Februar 2010 | BI UNS TO HUUS 2 Berlin

Bei Maledivens ist wieder Ruhe eingekehrt! Bolle und Berta sind mittlerweile dicke Freunde geworden - auch wenn Mrs. Beagleson dem kleinen Kacker ab und an noch eine überzieht ... Sie schlafen friedlich in ein und demselben Körbchen und spielen den ganzen Tag brutale Kampfspiele. Bolle freut sich schon auf seine erste Konzert-Reise nach Iserlohn. Wie man hört, ist die Hütte mit fast 700 Karten bereits gut verkauft; jetzt rechne das mal um in Trockenfutter!

26. Januar 2010 | BI UNS TO HUUS 1 Berlin

Dieser Eintrag gehört BOLLE! Bolle ist 11 Wochen alt und seit heute um 12 Uhr das Malediva-Familienmitglied-No. 4! Berta ist nicht begeistert: sie fragt sich noch nach Stunden, wann dieser ungebetene Besuch denn wohl wieder abgeholt wird. Am Abend sieht sie alle Hoffnungen schwinden und es dämmert ihr: der wird bleiben! Bolle hingegen wackelt auf dünnen Beinen schüchtern durch die Zimmer und beginnt seine alte Familie immer schlimmer zu vermissen. Ab viertel nach fünf dann wird bitterlich geweint! Berta verzieht sich genervt ins Schlafzimmerkörbchen. Bolle sucht Hilfe und einen guten Freund und findet Lo im Arbeitszimmer: ab sofort wird mit einem sehr unglücklichen kleinen Hund auf dem Schoß Büroarbeit gemacht. Herrjeh. Morgen wird schon alles besser sein, Bolle, versprochen! Und noch etwas: willkommen daheim!

24. Januar 2010 | KULTURZENTRUM Esslingen

Der letzte Tag unserer INGE-TOUR 2010 (Schwetzinge, Göppinge) führt uns also nach Esslinge(n). Hier hat es eine sehr heimelige Altstadt mit einer sehr besonderen Stadtkirche: die zwei Türme sind durch eine überdachte Brücke verbunden, die in schwindelerregender Höhe dicht unter den Dachtraufen hängt. Lo kann sich kaum satt sehen. Was könnte man alles abenteuerliches über diese Brücke erfahren! Wenn man doch nur mehr Zeit hätte! So bleibt ein kurzer Bummel durch die Gassen und ein sehr schönes Gespräch mit einer erstaunten älteren Dame, die einem sportlichen Afro-Amerikaner hinterher schaut. "Jetz dschogge die Neger au scho!" Nachmittags, das Kulturzentrum ist noch bis auf weiteres vom Kindertheater besetzt, bleibt noch Zeit für eine kleine Wanderung auf dem Anneliese-Weg. Er führt von der Jägerhütte (oder ist es das Jägerhaus?) durch tiefverschneite Waldigkeit, ab und an passiert ein Jogger unsere kleine Meute (auch hier wieder ein Neger - es scheint hier ein Nest zu sein!), Berta lernt, Leckerlis von Baumstümpfen zu holen (hochspringen! Kopf beugen! Zunge raus! zuschnappen!), und alle zusammen finden wir es hier ganz famos. Es wird unser letzter Ausflug zu dritt sein. Am Dienstag kommt Nachwuchs.

23. Januar 2010 | ODEON im E-WERK Göppingen

Wenn man all seine Kostüme in Schwetzingen vergisst, hat man zwei Möglichkeiten: man fährt hin und auch wieder zurück, um sie zu holen (328 Kilometer) oder man kauft bei H&M am Rathausplatz in Göppingen eine Notfall-Verkleidung (0 Kilometer). Wir entscheiden uns (ACH WAS!) für Shopping. Die Überbrückungsfetzen sind schnell gekauft, die Verkäuferin No. 2 hat die Ankündigung unserer Show in der Zeitung gesehen, vermutlich dem Göppinger Anzeiger oder dem Göppinger Boten. Wir versprechen, die hiesige H&M-Filiale lobend zu erwähnen. In der Lobby des Ringhotel Hohenstaufen spielen zwei niedliche Kleinkinder. Sie rufen Papa! Papa! Oder Kacka! Kacka! Abschließendes lässt sich vorerst nicht klären. Die Nachfrage bei der Hoteliersfrau bringt uns nur ein mürrisches "Machen Sie sich nicht über meine Kinder lustig" ein. Wir finden weder Papa noch Kacka besonders lustig, sondern wollten nur freundlich und locker sein. Beides wird hier offensichtlich nicht übertrieben gern gesehen. Das Zimmer dagegen ist groß und licht und freut sich, uns zu sehen. Die Show in Göppingen ist heiter und die Leut sind es zufrieden. Danach: Brotzeit mit den Odeons-Leuten, was immer eine sehr gemütliche Angelegenheit ist. Unten lungert das leergeräumte Theater herum und oben wird geschwätzt und am Wein genippt. Berta wird ausgiebig bewundert und scheint es zu genießen. Die Senior-Besitzer des oben genannten Hotels haben die Vorstellung vom Balkon aus genossen und erweisen sich als reizende Menschen. Anderntags fahren wir weiter, zur letzten Inge: Esslinge!

22. Januar 2010 | ALTE WOLLFABRIK Schwetzingen

Schwetzingen hat es gut getroffen mit seinem Kurfürsten Carl Theodor, der sich in den Sommermonaten in seiner modrigen Residenz so sehr gelangweilt hat, dass er sie zu einem monumental hübschen Barockschlösschen hat umbauen lassen, mit entzückenden Orangerien, die hier Zirkelhäuser genannt werden, und die mit ihren zwei Armen ein bildhübsches Rund umfangen, das im oberen Teil auch noch durch Laubengänge vervollständigt wird. Es gibt Broderiebeete und Brunnen und Tempel - und Arkaden, die aus Lindenbäumen geschnitten wurden! Es gibt eine Wildschweingrotte und, im hinteren Teil dieses französischen Gartentraums, einen englischen Landschaftsgarten! Wie ungewöhnlich. Wir sind durch Sanssouci arg verwöhnt, und auch Kassel hat mit dem Schlosspark Wilhelmshöh eine Granate der Gartenbaukunst, doch der Schlossgarten Schwetzingen ist eine Perle. Berta will gerade beschließen, diese Anlage zur schönsten zu erklären, die sie auf ihren Reisen bisher entdecken durfte, da erklärt ihr der Parkwächter, dass sie an einer höchstens 2 Meter langen Lederleine zu laufen hat! Auf Mrs. Beaglesons recht pampige Antwort, sie habe gerade leider keine kurze Leine dabei, bietet der Mann eine kurze Leine aus eigenen Beständen an. Mist. Angeblich nutzen andere Hunde an Teleskop-Leinen die Beete als Toilette - und die Gartenhilfskräfte waten bei Schnitt- und Stutzarbeiten regelmäßig bis zu den Knien in der Schiete. Missmutig fügt sich Fräulein B. - frau will ja kein Banause sein. Tetta schwärmt unterdessen vom schönsten Rokoko-Theatersaal, den ein Mensch je gebaut hat. Schwetzigen, was hast du es gut getroffen. Auch das hiesige Publikum ist entzückend. Wir haben einen famos lustigen Abend und teilen uns danach trotz größter Erschöpfung (7 Stunden Anfahrt!) noch ein schenkelwarmes Feierabendbier. Im Hotel werden wir dann Zeuge, wie eine überlaute High-Heels-Trägerin von einem anderen Hotelgast verbal abgewatscht wird (Ist jetzt bald mal Ruhe mit deinen Scheiß-Schuhen! - Entschuldigung! - Das will ich aber gehofft haben!) und finden die Schelte angemessen. Am nächsten Morgen darf Tetta sich noch 2 Norwegen-Reiseführer aus dem hiesigen Buchhandel besorgen. Man ist kaum aus Afrika zurück und plant schon wieder die Fjord-Hütten-Ferien für kommenden Sommer. Ächz.

16. Januar 2010 | COMEDIA Köln

Die Comedia ist umgezogen, von der altgeliebten Löwengasse in die Vondelstraße. Dort haben Lo & Tetta einmal gelebt, genau ums Eck, in einem kleinen Gartenhaus in der Wormser Straße, mit einer Schildkröte und einer magersüchtigen Katze. Sie fühlen sich sofort heimisch. Der Umzug scheint alle ein bisschen geschafft zu haben; Uschi Siedler hinkt ein wenig und schaut glücklich-müde aus. Das neue Haus verfügt über gleich zwei Säle und ist mucho architektonisch und sehr schön. Ein bezauberndes Restaurant macht die Sache rund. Wir sind sehr glücklich. Lo nimmt leider eine blaue Tablette ein, da ihm der Kopfverband gewechselt wurde und alles rot-verschmerzt war, und verliert darüber fast den Verstand; auf jeden Fall vermisst er große Teile seiner Texte. In seinem gutbetäubten Gehirn sind sie derzeit nicht mehr aufzufinden. Er improvisiert sich panisch durch den Abend, an seiner Seite munter und unerschütterlich Tetta Müller, Königin der Katastrophen und Mutter aller Bühnendesaster. Die größte Überraschung an diesem Abend: die Leute mögen es so sehr, dass ein Großteil des Publikums aus dem Häuschen gerät. Lo ist das ein Trost. Denn innerhalb der letzten 2 Stunden ist ihm nahezu gar nichts gelungen. Am nächsten Morgen, die Wirkung der Tablette ist verklungen, nur ab und an noch muss er heftigst kichern, liegen Tetta tief-verschnupft und Danny tief migräniert im Bus. Nun ist er zusammen mit Florian der einzig gesunde Mensch der Gruppe. Auch mal schön zur Abwechslung. In zulässiger Höchstgeschwindigkeit geht es nach Hause zurück: am Montag geben Tetta und Lo ein Abendbrot für die Lieblingsnachbarn; so etwas möchte gut vorbereitet sein ...

15. Januar 2010 | STADTHALLE Gifhorn

Die Stadt Gifhorn ist nicht nur das Tor zur Südheide! Nee! Sie beherbergt auch das einzigartige Mühlenmuseum, ein hübsch am Stadtsee gelegenes Gelände, auf dem 16 Mühlennachbauten aus aller Welt stehen (auch die schöne schlanke Mühle aus Sanssouci bei uns direkt ums Eck!) und darauf warten, dass die Besucher endlich den lecker Streuselkuchen und das Steinofenbrot hinunter geschlungen haben. Nennenswert erscheint uns auch das Otterzentrum Hankensbüttel. Was gibt es Schöneres, als einen glücklichen Otter? Siehste! Das ist also Gifhorn. In dem sehr neuen, sehr schönen, sehr gut ausgestatteten Stadttheater spielen wir UNGESCHMINKT vor einem durchweg heiteren Publikum. Lo hat sich tags zuvor leider den Kopf gehauen, im eigenen Keller, an einem Stahlträger. Nun hat er ein mit Betaisadonna verputztes Loch im oberen Schädelbereich und Tetta ein Stück Skalp, das er in einem Taschentuch in der Küchenschublade verwahrt - T. ist seltsam; nur für den Fall, dass es noch nicht alle wussten. Der Kopf selbst pocht ein wenig. Sonst ist es ein sehr schöner Abend. Hund Berta liiiebt den Schnee, von dem es rund um das Mühlenmuseum und den angrenzenden See so viel gibt! Liiiiebt den Schnee! Sie tobt dermaßen durch die weißvermehlte Landschaft, dass endlich einmal auch ihr die Puste ausgeht und sie kurz vor dem Auftritt in einen komatösen Schlaf fällt, aus dem sie Stunden später geweckt werden muss. Das macht sie nicht glücklicher. Kaum im Hotel angekommen, liegt sie auch schon wieder. Und das ist gut so. In kaum zwei Wochen wird sie eine groooße Überraschung erleben - soll sie sich jetzt mal besser ausschlafen ...