Bild von Malediva

25.-28.03.2009 | KLEINTHEATER Luzern

Von: Lo Malinke

Neun Stunden lang fährt man von Berlin aus in den Westen und dann in den Süden, und dann steht man am Ufer des Vierwaldstätter Sees, von dem aus Luzern mit seinen Grand Hotels und Casinos, den Bimmel-Bammel-Kirchen (sie läuten oft und laut), den mittelalterlichen Gassen und Häusern, den schönen Plätzen und den niedlich begrünten Quais die Hänge hinaufwächst. Jenseits des Sees ragen die schneebedeckten Berggipfel ins Panorama hinein, als größter und schönster der PILATUS. Es ist sauber hier. Als Berliner wünscht man sich das Straßeninspektorat Luzern für nur eine Woche nach Brandenburg und Umgebung. Was wäre alles fein und apart! Auf dem See schwimmen Enten unterschiedlicher Couleur. Und Schwäne. Sehr groß, sehr weiß. Große Mühe scheint man hierzulande auf Organisation zu verwenden. Reibungslose Abläufe. Überall. Im Theater so-wieso. Jedes Kabel hat seinen eigenen Haken. Alles liegt in Regalen, und nicht herum! Die Busse gehen pünktlich. Nicht, dass wir sie benutzen würden. Öffentliche Verkehrsmittel machen wir nicht. Wir wandern stattdessen. Von Luzern nach Fitznau. Dorten ein schniekes Schlosshotel, ansonsten der Charme der 50er Jah-re, schüchtern konserviert in Tischdecken und Wandfarben. Lecker Schnitzel (Tetta) und Gemüsespätzle (Lo). Die Ravioli heißen hier Tortelli (Florian). Wie sie wohl zu Tortellini sagen? Berta stöbert in einem Ameisenhaufen, woraufhin ihre Schnauze anschwillt - beulenartig. Sie scheint weiter zu atmen, also ignorieren wir es. Diese Hündin ist unkaputtbar. Um es vorwegzunehmen: die drei Abende, die wir im Kleintheater Luzern absolvieren, sind die letzten ihrer Art. Hernach werden wir AB HEUTE VERLIEBT nie wieder spielen (müssen); was alle heiter stimmt. Hat man doch die besten Jahre seines Lebens mit dieser Show verbracht und nach über 300 Vorstellungen große Lust, anderes zu tun. Und als hätten sie es geahnt, geben sich die Luzerner und Luzernerinnen größte Mühe, diese drei letzten Nächte zu einer sehr schönen Zeit werden zu lassen. Man versteht sich nicht immer (sie verwenden ein und dasselbe Wort für „Hundehalter“ als auch für „Kundenkarte“), lacht aber viel. Schnell entwickeln wir Rituale in dieser Stadt des Gleichschritts und der festen Uhrzeiten: früh morgens mit der Hündin am See entlang Richtung Verkehrsmuseum, tagsüber Wanderungen durch Berg, Stadt, Wald, nach der Show mächtige Dinners im HOTEL REBSTOCK, überhaupt eins der schönsten und besten Etablissements, die es gibt. Ein Hackbraten der Weltklasse. Japaner fürchten sich übrigens vor Geflügel ebenso übertrieben wie vor Hunden. Amerikaner wollen Berge sehen und fühlen sich durch Kirchenglockenlärm gestört. Russen sind noch lauter als Holländer und stehen immer im Weg. Engländer haben gern Oralverkehr und sind dabei auch nicht immer leise. Mitte April ist übrigens Al Jarreau in der Stadt. Wir wussten gar nicht, dass der noch lebt! Wir werden jetzt nach Hause fahren, die Koffer packen, noch zwei Tage Hannover hinter uns bringen, und dann ins Häusle nach Spanien fliegen. Berta muss zuvor entwurmt und entfloht werden, da sind die Spanier streng. Und dann werden wir uns zwei große Kannen Rotwein auf die Terasse rücken, eine schöne Spacke Tortilla in Griffweite stellen, und zusehen, wie die Sonne hinter der neu befestigten Terasse (Gracias, Don Argul) versinkt. Und in Deutschland soll es endlich Sommer werden.





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